28. Sonntag im Jahreskreis (Lesejahr A)
„Einige aber kümmerten sich nicht um die Einladung und gingen weg, der eine auf seinen Acker, der andere in seinen Laden. Die Übrigen packten seine Diener, misshandelten sie und brachten sie um.“ Matthäusevangelium 22:5-6
Dieser Abschnitt stammt aus dem Gleichnis vom Hochzeitsmahl. Er zeigt zwei bedauerliche Reaktionen auf das Evangelium. Zum einen gibt es diejenigen, die die Einladung ignorieren. Zum anderen gibt es diejenigen, die auf die Verkündigung des Evangeliums mit Feindseligkeit reagieren.
Wenn du dich für die Verkündigung des Evangeliums einsetzt und dich dieser Sendung mit ganzer Seele verschrieben hast, wirst du höchstwahrscheinlich beiden Reaktionen begegnen. Der König ist ein Bild für Gott, und wir sind berufen, Seine Boten zu sein. Der Vater sendet uns aus, hinzugehen und andere zum Hochzeitsmahl zu versammeln. Das ist eine herrliche Sendung, denn wir dürfen Menschen einladen, in die ewige Freude und Glückseligkeit einzutreten! Doch statt diese Einladung mit großer Begeisterung aufzunehmen, werden viele, denen wir begegnen, gleichgültig bleiben und ihrem Alltag nachgehen, ohne sich für das zu interessieren, was wir ihnen mitteilen. Andere werden mit Feindseligkeit reagieren, besonders wenn es um verschiedene sittliche Lehren des Evangeliums geht.
Die Ablehnung des Evangeliums, sei es aus Gleichgültigkeit oder in offener Feindseligkeit, ist ein Akt unglaublicher Unvernunft. In Wahrheit ist die Botschaft des Evangeliums, die letztlich eine Einladung zur Teilnahme am Hochzeitsmahl Gottes ist, eine Einladung, die Fülle des Lebens zu empfangen. Sie ist eine Einladung, am Leben Gottes selbst teilzuhaben. Was für ein Geschenk! Dennoch gibt es Menschen, die dieses Geschenk Gottes nicht annehmen, weil es bedeutet, sich in jeder Hinsicht ganz dem Denken und Wollen Gottes anzuvertrauen. Es erfordert Demut und Aufrichtigkeit, Umkehr und ein selbstloses Leben.
Denke heute über zwei Dinge nach. Betrachte zunächst deine eigene Reaktion auf das Evangelium. Antwortest du auf alles, was Gott dir sagt, mit völliger Offenheit und Eifer? Denke dann darüber nach, auf welche Weise Gott dich ruft, Seine Botschaft in die Welt zu tragen. Nimm dir vor, dies mit großem Eifer zu tun, unabhängig davon, wie andere reagieren. Wenn du diese beiden Aufgaben erfüllst, wird dir und vielen anderen der Segen zuteilwerden, am Hochzeitsmahl des großen Königs teilzunehmen.
Herr, ich schenke Dir mein ganzes Leben. Lass mich Dir stets in jeder Hinsicht offen begegnen und danach streben, jedes Wort aufzunehmen, das aus Deinem barmherzigen Herzen kommt. Lass mich auch danach streben, mich von Dir gebrauchen zu lassen, um die Einladung Deiner Barmherzigkeit in eine Welt zu tragen, die ihrer bedarf. Jesus, ich vertraue auf Dich.
Über gute Vorsätze hinaus
28. Sonntag im Jahreskreis (Lesejahr B)
Als Jesus sich auf den Weg machte, lief ein Mann auf Ihn zu, fiel vor Ihm auf die Knie und fragte Ihn: „Guter Meister, was muss ich tun, um das ewige Leben zu erben?“ Markusevangelium 10:17
Diese Geschichte beginnt recht verheißungsvoll. Da ist ein junger Mann, der sehr wohlhabend ist und mit einer Frage zu Jesus kommt, die im Glauben wurzelt. Indem er Jesus fragte, was er tun müsse, um das ewige Leben zu erben, brachte er höchstwahrscheinlich seinen Glauben zum Ausdruck, dass Jesus die Antwort hatte. Und voller Begeisterung wollte er von Jesus Orientierung erhalten.
Jesus sagt ihm, dass er die Gebote halten müsse, worauf der junge Mann antwortet, dass er sie von Jugend an befolgt habe. Doch dann sagt Jesus etwas, womit dieser junge Mann niemals gerechnet hätte. Er sagt: „Eines fehlt dir noch. Geh, verkaufe, was du hast, und gib es den Armen, und du wirst einen Schatz im Himmel haben; dann komm und folge Mir nach.“ Autsch! Das muss diesen reichen jungen Mann mitten ins Herz getroffen haben. Im weiteren Verlauf berichtet der Abschnitt, dass der junge Mann wegen dieser Worte Jesu traurig wegging.
Der junge Mann begann mit guten Vorsätzen, das ist klar. Aber gute Vorsätze allein reichen nicht aus. Jesus nachzufolgen und das ewige Leben zu erlangen, verlangt eine radikale Hingabe, die unser ganzes Leben mit all seinen Bereichen umfasst. Es reicht nicht aus, Jesus zu sagen, dass wir die Gebote halten werden, es dabei aber bewenden zu lassen. Sicher, das mag uns ins Fegefeuer bringen, doch wonach wir verlangen sollten, ist der Himmel! Wie also gelangen wir in den Himmel?
Wir gelangen nur durch ein Leben der Vollkommenheit in den Himmel. Ja, das ist wahr. Wenn wir in den Himmel gelangen wollen, müssen wir letztlich in jeder Hinsicht vollkommen werden. Jede Bindung an das Weltliche muss verschwinden, und jede Sünde muss überwunden werden. Unsere guten Absichten müssen zu einer radikalen und völligen Hingabe unserer selbst an Jesus werden, in der wir Ihn suchen und nur Ihn.
Der reiche junge Mann ging traurig weg, weil er nicht erkannte, dass Jesu Einladung, alles wegzugeben, in Wirklichkeit ein Akt der Liebe war. Er verstand nicht, dass er in dieser radikalen Hingabe an die Nachfolge Christi sein Glück finden würde.
Denke heute über den radikalen Ruf Jesu in deinem Leben nach. Er möchte jeden Bereich deines Lebens. Vielleicht hast du den guten Vorsatz, dich darum zu bemühen, gut zu sein. Aber bist du bereit, den ganzen Weg zu gehen und Christus ganz und ohne Einschränkungen nachzufolgen?
Herr, ich liebe Dich und möchte Dich noch mehr lieben. Ich möchte Dich mit meinem ganzen Wesen lieben. Hilf mir zu erkennen, dass Deine Nachfolge eine radikale und vollständige Hingabe meiner selbst an Dich verlangt. Lass mich bereit und willens sein, jede Bindung in meinem Leben loszulassen, die mich davon abhält, Dir nachzufolgen. Jesus, ich vertraue auf Dich.
Der heilende Balsam eines dankbaren Herzens
28. Sonntag im Jahreskreis (Lesejahr C)
„Sind nicht zehn rein geworden? Wo sind die anderen neun? Ist denn keiner umgekehrt, um Gott zu danken, außer diesem Fremden?“ Lukasevangelium 17:17-18
Diese Worte sprach Jesus, nachdem Er zehn Aussätzige geheilt hatte und nur einer von ihnen, ein Fremder, zu Ihm zurückgekehrt war, um Ihm zu danken. Zehn wurden körperlich von ihrem Aussatz geheilt, doch nur einer empfing eine viel tiefere Heilung. Als dieser eine Aussätzige mit dankbarem Herzen zu Jesus zurückkehrte, sagte Jesus zu ihm: „Steh auf und geh! Dein Glaube hat dich gerettet“ (Lukasevangelium 17:19).
Nur dieser eine Aussätzige, der mit dankbarem Herzen zurückkehrte, hörte unseren Herrn diese Worte sprechen: „Dein Glaube hat dich gerettet.“ Das zeigt, dass Dankbarkeit gegenüber Gott nicht nur unsere Pflicht ist, sondern auch sichtbaren Segen in unserem Leben hervorbringt. Wenn wir Gott aufrichtig für alles danken, was Er getan hat, bringen wir dadurch großen Glauben an Gott zum Ausdruck. Wir weisen auf Ihn und Seine Güte als die Quelle unserer Segnungen hin, und es braucht Glauben, um das zu erkennen und zu bekennen.
Wofür musst du in deinem Leben dankbarer werden? Was nimmst du vielleicht als selbstverständlich hin, ohne in angemessener Weise zu Gott zurückzukehren und Ihm dafür zu danken? Die Wahrheit ist: Alles im Leben ist ein Geschenk. Alles. Selbst die Schwierigkeiten, die du durchstehst, können sich in Segen verwandeln. Genau das ist in dieser Geschichte geschehen. Das schreckliche Leiden am Aussatz wurde in eine Gnade Gottes verwandelt.
Denke heute über all das nach, was Gott für dich getan hat. Bete darum, die unzähligen Wege zu erkennen, auf denen Gott dein Leben mit Seiner Gnade beschenkt. Wenn du sie erkennst, betrachte diese Segnungen, zähle sie und sei dankbar dafür. Wende dich aus dieser Dankbarkeit heraus wieder Gott zu und danke Ihm voller Freude. In diesem Tun wird auch dein Glaube dich retten.
Herr, ich danke Dir von Herzen für die unzähligen Segnungen, die Du mir mein ganzes Leben hindurch geschenkt hast. Ich danke Dir dafür, wie Du mir Deine Gnade erwiesen, mich geführt und geheilt hast. Hilf mir, klar zu erkennen, was Du alles für mich getan hast und weiterhin für mich tust. Wenn ich diese Segnungen erkenne, hilf mir, meine Dankbarkeit täglich im Glauben zum Ausdruck zu bringen. Jesus, ich vertraue auf Dich.
Nach Zeichen suchen
Montag der 28. Woche im Jahreskreis
Als immer mehr Menschen zusammenströmten, sagte Jesus zu ihnen: „Diese Generation ist eine böse Generation. Sie fordert ein Zeichen; aber es wird ihr kein anderes gegeben werden als das Zeichen des Jona.“ Lukasevangelium 11:29
Wünschst du dir manchmal, dass Gott dir ein Zeichen vom Himmel gibt, um dir eine eindeutige Führung oder Richtung für dein Leben zu zeigen? Suchst du nach Zeichen von Gott und verlässt du dich auf sie?
Wenn Gott uns im Leben ein klares Zeichen gäbe, das Seinen Willen offenbart, sollten wir es als Geschenk annehmen und dankbar dafür sein. Doch ein Zeichen von Gott zu empfangen ist etwas anderes, als ein Zeichen von Gott zu suchen. Im obigen Abschnitt verurteilt Jesus mit scharfen Worten diejenigen, die kommen und Zeichen suchen. Warum ist das so? Warum spricht Jesus sich so entschieden dagegen aus, nach Zeichen zu suchen? Vor allem deshalb, weil Er möchte, dass wir Ihn durch die Gabe des Glaubens suchen.
Jesus erklärt, dass kein anderes Zeichen gegeben wird als das Zeichen des Jona. Das „Zeichen des Jona“ bezieht sich auf Jesu Kreuzigung, Seinen Tod, die drei Tage im Grab und Seine Auferstehung. Jona war drei Tage im Bauch des Wals. Jesus sagte ihnen damit, dass Er drei Tage im Grab sein würde.
Entscheidend ist aber, dass Jesu Tod und Auferstehung das Zeichen SIND, das gegeben werden wird. Wir sollten nichts anderes suchen als dieses zentrale Geheimnis unseres Glaubens. Jede Frage, jedes Problem, jede Sorge, jede Verwirrung und alles Weitere kann beantwortet und bewältigt werden, wenn wir uns einfach in das große Geheimnis unserer Erlösung hineinbegeben, indem wir in das Leben, den Tod und die Auferstehung Christi eintreten. Ein anderes Zeichen als dieses zu suchen wäre falsch, denn damit würden wir gewissermaßen sagen, dass der Tod und die Auferstehung Jesu nicht genügen.
Denke heute über das größte „Zeichen“ nach, das Gott je gegeben hat. Und wenn du mit Fragen des Lebens ringst, dann richte deinen Blick auf dieses eine endgültige Zeichen. Richte deinen Blick auf das zentrale Geheimnis unseres Glaubens: das Leben, den Tod und die Auferstehung Christi. Dort kann jede Frage beantwortet werden, und dort wird jede Gnade geschenkt. Mehr brauchen wir nicht.
Herr, Dein Leben, Dein Tod und Deine Auferstehung sind alles, was ich im Leben zu wissen brauche. Dein vollkommenes Opfer gibt mir jede Antwort und lässt jede Gnade hervorströmen. Lass mich stets zu Dir kommen, denn Du bist das Zeichen, das ich jeden Tag brauche. Jesus, ich vertraue auf Dich.
Dein Herz reinigen
Dienstag der 28. Woche im Jahreskreis
Der Herr sagte zu ihm: „O ihr Pharisäer! Ihr haltet zwar Becher und Teller außen sauber, innen aber seid ihr voll Raubgier und Bosheit. Ihr Unverständigen!“ Lukasevangelium 11:39-40a
Jesus kritisierte die Pharisäer immer wieder dafür, dass sie ganz auf ihren äußeren Anschein fixiert waren und die Heiligkeit ihrer Seelen außer Acht ließen. Es scheint, dass ein Pharisäer nach dem anderen in dieselbe Falle tappte. Ihr Stolz führte dazu, dass sie geradezu besessen davon waren, nach außen gerecht zu erscheinen. Leider war ihr äußerer Anschein nur eine Maske, hinter der sich die „Raubgier und Bosheit“ verbargen, die sie von innen aufzehrten. Deshalb nennt Jesus sie „Unverständige“.
Diese unverblümte Zurechtweisung durch unseren Herrn war eindeutig ein Akt der Liebe, denn Er wünschte zutiefst, dass sie auf ihr Inneres schauten, um ihre Herzen und Seelen von allem Bösen zu reinigen. Es scheint, dass die Pharisäer unmittelbar auf ihre Bosheit angesprochen werden mussten. Nur so hätten sie eine Chance zur Umkehr.
Dasselbe kann zuweilen auch auf uns alle zutreffen. Jeder von uns kann damit zu kämpfen haben, dass ihm sein öffentliches Ansehen viel wichtiger ist als die Heiligkeit seiner Seele. Doch was ist wichtiger? Wichtig ist das, was Gott in unserem Inneren sieht. Gott sieht unsere Absichten und alles, was tief in unserem Gewissen liegt. Er sieht unsere Beweggründe, unsere Tugenden, unsere Sünden, unsere Anhänglichkeiten und alles, was vor den Augen anderer verborgen ist. Auch wir sind eingeladen, das zu sehen, was Jesus sieht. Wir sind eingeladen, unsere Seele im Licht der Wahrheit zu betrachten.
Siehst du deine Seele? Erforschst du jeden Tag dein Gewissen? Du solltest dein Gewissen erforschen, indem du in Zeiten des Gebets und ehrlicher Selbstbetrachtung nach innen schaust und siehst, was Gott sieht. Vielleicht haben sich die Pharisäer regelmäßig selbst vorgegaukelt, in ihren Seelen sei alles in Ordnung. Wenn du es manchmal ebenso machst, musst vielleicht auch du aus den deutlichen Worten Jesu lernen.
Betrachte heute deine Seele. Hab keine Angst, sie im Licht der Wahrheit anzuschauen und dein Leben so zu sehen, wie Gott es sieht. Das ist der erste und wichtigste Schritt, um wirklich heilig zu werden. Und es ist nicht nur der Weg, unsere Seele zu reinigen, sondern auch der notwendige Schritt, damit unser äußeres Leben im Licht der Gnade Gottes hell erstrahlen kann.
Herr der Heiligkeit, ich möchte heilig werden. Ich möchte durch und durch gereinigt werden. Hilf mir, meine Seele so zu sehen, wie Du sie siehst, und zuzulassen, dass Deine Gnade und Barmherzigkeit mich dort reinigen, wo ich der Reinigung bedarf. Jesus, ich vertraue auf Dich.
Weh euch!
Mittwoch der 28. Woche im Jahreskreis
„Weh euch! Ihr seid wie Gräber, die man nicht sieht und über die die Menschen gehen, ohne es zu wissen.“ Da erwiderte Ihm einer der Gesetzeslehrer: „Meister, mit diesen Worten beleidigst Du auch uns.“ Er aber sagte: „Weh auch euch Gesetzeslehrern! Ihr ladet den Menschen Lasten auf, die sie kaum tragen können, selbst aber rührt ihr keinen Finger dafür.“ Lukasevangelium 11:44-46
Was für ein interessanter und etwas überraschender Wortwechsel zwischen Jesus und diesem Gesetzeslehrer. Jesus weist hier die Pharisäer scharf zurecht, und einer der Gesetzeslehrer versucht, Jesus wegen Seiner beleidigenden Worte zu korrigieren. Und was tut Jesus? Er weicht nicht zurück und entschuldigt sich auch nicht dafür, ihn gekränkt zu haben; vielmehr richtet Er Seine scharfe Zurechtweisung nun an den Gesetzeslehrer. Das muss ihn überrascht haben!
Interessant ist, dass der Gesetzeslehrer darauf hinweist, Jesus „beleidige“ sie. Und er weist darauf hin, als würde Jesus eine Sünde begehen und bedürfte deshalb einer Zurechtweisung. Hat Jesus also die Pharisäer und den Gesetzeslehrer beleidigt? Ja, wahrscheinlich hat Er das. War das eine Sünde vonseiten Jesu? Natürlich nicht. Jesus sündigt nicht.
Das Geheimnis, dem wir hier begegnen, besteht darin, dass die Wahrheit manchmal sozusagen „beleidigend“ ist. Sie verletzt den Stolz eines Menschen. Besonders interessant ist, dass jemand, der sich beleidigt fühlt, zunächst erkennen muss, dass dieses Gefühl seinem Stolz entspringt und nicht dem, was der andere gesagt oder getan hat. Selbst wenn jemand übermäßig hart war, ist das Gefühl, beleidigt worden zu sein, eine Folge des Stolzes. Wäre man wirklich demütig, würde man eine Zurechtweisung sogar als hilfreiche Korrektur begrüßen. Leider scheint dem Gesetzeslehrer die nötige Demut zu fehlen, um Jesu Zurechtweisung in sich wirken zu lassen und sich dadurch von seiner Sünde befreien zu lassen.
Denke heute darüber nach, ob du demütig genug bist, eine Zurechtweisung von einem anderen anzunehmen. Wenn dich jemand auf deine Sünde hinweist, fühlst du dich dann gekränkt? Oder nimmst du es als hilfreiche Korrektur an und lässt dir dadurch helfen, in der Heiligkeit zu wachsen?
Herr, Du bist vollkommen demütig, schenke mir bitte wahre Demut. Hilf mir, niemals gekränkt zu sein, wenn andere mich zurechtweisen. Lass mich die Zurechtweisungen anderer als Gnadengaben annehmen, die mir auf meinem Weg zur Heiligkeit helfen. Jesus, ich vertraue auf Dich.
Der Schlüssel zur Erkenntnis
Donnerstag der 28. Woche im Jahreskreis
„Weh euch Gesetzeslehrern! Ihr habt den Schlüssel zur Erkenntnis weggenommen. Ihr selbst seid nicht hineingegangen und habt die gehindert, die hineingehen wollten.“ Lukasevangelium 11:52
Im heutigen Evangelium setzt Jesus Seine Zurechtweisung der Pharisäer und Gesetzeslehrer fort. Im obigen Abschnitt weist Er sie zurecht, weil sie „den Schlüssel zur Erkenntnis weggenommen“ und aktiv versucht haben, anderen die Erkenntnis vorzuenthalten, die Gott ihnen schenken möchte. Das ist ein schwerwiegender Vorwurf und zeigt, dass die Pharisäer und Gesetzeslehrer dem Glauben des Volkes Gottes aktiv schadeten.
Wie wir in den vergangenen Tagen in der Heiligen Schrift gesehen haben, wies Jesus die Gesetzeslehrer und die Pharisäer deshalb scharf zurecht. Und Seine Zurechtweisung galt nicht nur ihnen, sondern auch uns, damit wir wissen, dass wir solchen falschen Propheten und all jenen nicht folgen sollen, denen es nur um sich selbst und ihren Ruf geht statt um die Wahrheit.
Dieser Abschnitt aus dem Evangelium verurteilt nicht nur diese Sünde, sondern bringt, was noch wichtiger ist, einen tiefen und schönen Gedanken zur Sprache. Es ist der Gedanke vom „Schlüssel zur Erkenntnis“. Was ist der Schlüssel zur Erkenntnis? Der Schlüssel zur Erkenntnis ist der Glaube, und der Glaube kann nur aus dem Hören auf die Stimme Gottes erwachsen. Der Schlüssel zur Erkenntnis besteht darin, Gott zu dir sprechen und dir Seine tiefsten und schönsten Wahrheiten offenbaren zu lassen. Diese Wahrheiten können nur durch das Gebet und den unmittelbaren Austausch mit Gott empfangen und geglaubt werden.
Die Heiligen sind die besten Beispiele für Menschen, die in die tiefen Geheimnisse des Lebens Gottes eingedrungen sind. Durch ihr Leben im Gebet und im Glauben gelangten sie zu einer tiefen Erkenntnis Gottes. Viele dieser großen Heiligen haben uns wunderschöne Schriften und ein eindrucksvolles Zeugnis von den verborgenen, doch offenbarten Geheimnissen des inneren Lebens Gottes hinterlassen.
Denke heute darüber nach, ob du den „Schlüssel der Erkenntnis“ ergriffen und dir durch dein Leben im Glauben und im Gebet die Geheimnisse Gottes erschlossen hast. Erneuere deinen Entschluss, Gott täglich im persönlichen Gebet zu suchen und nach allem zu streben, was Er dir offenbaren möchte.
Herr, hilf mir, Dich durch ein Leben im täglichen Gebet zu suchen. Ziehe mich in diesem Gebetsleben in eine tiefe Beziehung zu Dir hinein und offenbare mir dabei, wer Du in Deiner ganzen Fülle bist und worum es im Leben wirklich geht. Jesus, ich vertraue auf Dich.
Gottes aufmerksame Sorge
Freitag der 28. Woche im Jahreskreis
„Verkauft man nicht fünf Spatzen für zwei kleine Münzen? Und doch ist keiner von ihnen von Gott vergessen. Bei euch aber sind sogar die Haare auf dem Kopf alle gezählt. Fürchtet euch nicht! Ihr seid mehr wert als viele Spatzen.“ Lukasevangelium 12:6-7
„Fürchtet euch nicht!“ Diese Worte werden in der Heiligen Schrift oft wiederholt. In diesem Abschnitt sagt Jesus, dass wir uns nicht fürchten sollen, weil der Vater im Himmel auf jedes noch so kleine Detail unseres Lebens achtet. Nichts ist Gottes Aufmerksamkeit entgangen. Wenn Gott auf die Spatzen achtet, dann achtet Er noch viel mehr auf uns. Das sollte uns ein gewisses Gefühl des Friedens und der Zuversicht schenken.
Ein Grund, warum es uns dennoch schwerfallen kann, das zu glauben, ist natürlich, dass es sich oft so anfühlt, als sei Gott weit weg und beachte unser Leben nicht. Es ist wichtig, uns daran zu erinnern: Wann immer wir dieses Gefühl haben, ist es nur ein Gefühl und nicht die Wirklichkeit. Die Wirklichkeit ist, dass Gott unendlich viel aufmerksamer auf die Einzelheiten unseres Lebens achtet, als wir es je erfassen könnten. Tatsächlich achtet Er viel aufmerksamer auf uns, als wir selbst es tun! Und Er achtet nicht nur auf jedes Detail, sondern jedes Detail liegt Ihm zutiefst am Herzen.
Warum kann es sich also manchmal so anfühlen, als sei Gott fern? Dafür könnte es viele Gründe geben, doch wir sollten gewiss sein, dass es immer einen Grund gibt. Vielleicht hören wir Ihm nicht zu und beten nicht so, wie wir sollten, und nehmen deshalb Seine Zuwendung und Führung nicht wahr. Vielleicht hat Er beschlossen, in einer Angelegenheit zu schweigen, um uns näher zu sich zu ziehen. Vielleicht ist Sein Schweigen tatsächlich ein sehr deutliches Zeichen Seiner Gegenwart und Seines Willens.
Denke heute darüber nach, dass wir uns der Wahrheit des obigen Abschnitts gewiss sein müssen, ganz gleich, wie wir uns manchmal fühlen mögen. „Ihr seid mehr wert als viele Spatzen.“ Gott hat sogar die Haare auf deinem Kopf gezählt. Und jeder Bereich deines Lebens steht Ihm vollständig vor Augen. Lass dir von diesen Wahrheiten Trost und Hoffnung schenken, im Wissen darum, dass dieser aufmerksame Gott auch ein Gott vollkommener Liebe und Barmherzigkeit ist und dir alles geben wird, was du im Leben brauchst.
Allwissender Herr, ich weiß, dass Du mich liebst und jedes Gefühl, jeden Gedanken und jede Erfahrung meines Lebens kennst. Du kennst jedes meiner Probleme und jede meiner Sorgen. Hilf mir, mich in allen Dingen immer wieder an Dich zu wenden, im Wissen um Deine vollkommene Liebe und Führung. Jesus, ich vertraue auf Dich.
Inspiration allein genügt nicht
Samstag der 28. Woche im Jahreskreis
Jesus sagte zu Seinen Jüngern: „Ich sage euch: Jeder, der sich vor den Menschen zu Mir bekennt, zu dem wird sich auch der Menschensohn vor den Engeln Gottes bekennen. Wer Mich aber vor den Menschen verleugnet, der wird vor den Engeln Gottes verleugnet werden.“ Lukasevangelium 12:8-9
Zu den eindrucksvollsten Beispielen für Menschen, die sich vor anderen zu Jesus bekennen, gehören die Märtyrer. Im Laufe der Geschichte bezeugte ein Märtyrer nach dem anderen seine Liebe zu Gott, indem er trotz Verfolgung und Tod an seinem Glauben festhielt. Einer dieser Märtyrer war der heilige Ignatius von Antiochien. Im Folgenden findest du einen Auszug aus einem berühmten Brief, den der heilige Ignatius nach seiner Verhaftung an seine Anhänger schrieb, als er auf dem Weg zum Martyrium war und den Löwen zum Fraß vorgeworfen werden sollte. Er schrieb:
Ich schreibe an alle Kirchen und lasse sie wissen, dass ich gerne für Gott sterbe, wenn ihr mir nur nicht im Weg steht. Ich flehe euch an: Erweist mir keine unangebrachte Güte. Lasst mich den wilden Tieren zur Speise werden, denn sie sind mein Weg zu Gott. Ich bin Gottes Weizen und werde von ihren Zähnen gemahlen, damit ich zu Christi reinem Brot werde. Betet für mich zu Christus, dass die Tiere zum Werkzeug werden, durch das ich zu einer Opfergabe für Gott werde.
Keine irdischen Freuden, keine Reiche dieser Welt können mir in irgendeiner Weise nützen. Ich ziehe den Tod in Christus Jesus der Herrschaft bis an die äußersten Grenzen der Erde vor. Ihn, der an unserer Stelle gestorben ist, allein suche ich. Ihn, der um unseretwillen auferstanden ist, allein ersehne ich.
Diese Aussage ist inspirierend und kraftvoll, doch sie birgt eine wichtige Einsicht, die man beim Lesen leicht übersehen könnte. Diese Einsicht ist: Es fällt uns leicht, sie zu lesen, seinen Mut zu bewundern, mit anderen über ihn zu sprechen, seinem Zeugnis Glauben zu schenken und so weiter … und doch keinen einzigen Schritt darauf zuzugehen, uns denselben Glauben und Mut zu eigen zu machen. Es ist leicht, über die großen Heiligen zu sprechen und sich von ihnen inspirieren zu lassen. Aber es ist sehr schwer, sie tatsächlich nachzuahmen.
Betrachte dein eigenes Leben im Licht des heutigen Evangeliums. Bekennst du dich vor anderen freimütig, offen und uneingeschränkt zu Jesus als deinem Herrn und Gott? Du musst nicht als Christ auftreten, der anderen seinen Glauben aufdrängt. Aber du musst deinen Glauben und deine Liebe zu Gott ungezwungen, frei, unverstellt und uneingeschränkt aufleuchten lassen, besonders dann, wenn es unangenehm und schwierig ist. Zögerst du dabei? Höchstwahrscheinlich ja. Höchstwahrscheinlich geht es allen Christen so. Deshalb sind der heilige Ignatius und die anderen Märtyrer große Vorbilder für uns. Wenn sie aber nur Vorbilder bleiben, dann reicht ihr Beispiel nicht aus. Wir müssen ihr Zeugnis selbst leben und zum nächsten heiligen Ignatius werden, indem wir das Zeugnis geben, zu dem Gott uns beruft.
Denke heute darüber nach, ob du dich von den Märtyrern nur inspirieren lässt oder ob du ihnen tatsächlich nacheiferst. Wenn Ersteres zutrifft, dann bete darum, dass ihr inspirierendes Zeugnis eine tiefgreifende Veränderung in deinem Leben bewirkt.
Herr, ich danke Dir für das Zeugnis der großen Heiligen, besonders der Märtyrer. Möge ihr Zeugnis mich befähigen, in der Nachfolge eines jeden von ihnen ein Leben heiligen Glaubens zu führen. Ich entscheide mich für Dich, lieber Herr, und bekenne mich heute vor der Welt zu Dir und dazu, dass Du über allem stehst. Schenke mir die Gnade, dieses Zeugnis mutig zu leben. Jesus, ich vertraue auf Dich.
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