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Vierte Woche der Osterzeit

Christus, der gute Hirte für uns alle

Vierter Sonntag der Osterzeit (Lesejahr A) – Sonntag des Guten Hirten

„Wer aber durch die Tür hineingeht, ist der Hirt der Schafe. Ihm öffnet der Türhüter, und die Schafe hören auf seine Stimme; er ruft die Schafe, die ihm gehören, einzeln beim Namen und führt sie hinaus.“ Johannesevangelium 10:2-4

In dieser Erzählung geschehen vier Dinge:

Erstens öffnet der Türhüter dem Hirten die Tür.
Zweitens ruft der Hirt die Schafe, die ihm gehören, einzeln beim Namen.
Drittens hören die Schafe auf seine Stimme.
Viertens führt der Hirt die Schafe durch die Tür.

Wer ist der „Türhüter“? Der heilige Augustinus sagt, dass eine mögliche Antwort darauf lautet: Der Türhüter ist der Heilige Geist. Die Aufgabe des Heiligen Geistes ist es, unseren Geist für die Wahrheit zu öffnen, für ein tieferes Verständnis der Heiligen Schrift und damit für ein tieferes Verständnis Christi selbst. So wird der Heilige Geist deinen Geist und dein Herz öffnen, damit du Christus als deinen Hirten erkennst und liebst, wenn du Ihn lässt.

Sobald dies geschieht, wird Jesus, der gute Hirte, dich persönlich beim Namen rufen. Nicht hörbar, sondern durch die Gabe des Glaubens. Du bist nicht nur eines von vielen Schafen; vielmehr bist du Ihm lieb und teuer, und Er kennt und liebt dich auf innige und ganz persönliche Weise. Deshalb ruft uns dieser Abschnitt zu einer innigen und persönlichen Beziehung mit Christus, dem guten Hirten.

Zu wissen, dass Christus uns persönlich und innig liebt und dass wir beim Namen gerufen sind, lädt uns ein und ermutigt uns, zuzuhören. Hörst du zu? Und wenn du zuhörst, hörst du Ihn auch? Christus auf diese persönliche und innige Weise zu uns sprechen zu hören, sollte uns zum Handeln bewegen.

Zu welchem Handeln? Dazu, uns führen zu lassen. Normalerweise geht ein Hirte hinter den Schafen her, und sie laufen voraus. Doch in dieser Erzählung führt Jesus, der Gute Hirte, der dich beim Namen ruft, dich „durch die Tür“. Jesus selbst ist die Tür. Wir sind dazu berufen, mit Ihm eins zu werden und durch Ihn in den Schoß des Vaters im Himmel einzutreten. Durch Ihn treten wir in das neue Leben selbst ein, in ein Leben der Gemeinschaft mit Ihm, der unser Hirte ist.

Denke heute über diesen Weg mit seinen vier Schritten nach, zu dem du berufen bist. Bitte den Heiligen Geist, deinen Verstand und dein Herz zu öffnen, damit du Christus erkennen und lieben kannst. Lausche dann im Gebet darauf, wie Christus zu dir spricht. Höre Ihn, antworte Ihm und lass dich von Ihm in Sein offenes Herz vollkommener Liebe hineinziehen.

Heiliger Geist, öffne bitte meine Ohren für die Stimme des Guten Hirten und meinen Verstand für alles, was Er sagt. Mein geliebter Herr Jesus, Du bist mein Hirte. Heute entscheide ich mich, Deiner Stimme zu folgen, wenn Du sprichst, und dies in vollkommenem Vertrauen und voller Hingabe zu tun. Ich liebe Dich, mein Herr, und danke Dir, dass Du mich mit so zärtlicher und inniger Fürsorge liebst. Jesus, mein Guter Hirte, ich vertraue auf Dich.


Dein Leben hingeben

Vierter Sonntag der Osterzeit (Lesejahr B) – Sonntag des Guten Hirten

Jesus sagte: „Ich bin der gute Hirt. Der gute Hirt gibt sein Leben hin für die Schafe. Der bezahlte Knecht aber, der nicht Hirt ist und dem die Schafe nicht gehören, sieht den Wolf kommen, lässt die Schafe im Stich und flieht; und der Wolf reißt sie und zerstreut sie. Dies geschieht, weil er nur ein bezahlter Knecht ist und ihm an den Schafen nichts liegt.“ Johannesevangelium 10:11

Traditionell wird dieser Vierte Sonntag der Osterzeit „Sonntag des Guten Hirten“ genannt. Das liegt daran, dass die Evangelienlesungen dieses Sonntags in allen drei Lesejahren aus dem zehnten Kapitel des Johannesevangeliums stammen, in dem Jesus klar und wiederholt über Seine Aufgabe als Guter Hirte spricht. Was bedeutet es, ein Hirte zu sein? Genauer gefragt: Wie handelt Jesus auf vollkommenste Weise als der Gute Hirte von uns allen?

Das Bild von Jesus als Hirten ist ein anrührendes Bild. Viele Künstler haben Jesus als sanftmütigen und gütigen Mann dargestellt, der ein Schaf in Seinen Armen oder auf Seinen Schultern trägt. Dieses heilige Bild ist es zum Teil, das wir uns heute vor Augen stellen, um es zu betrachten. Es ist ein einladendes Bild, das uns hilft, uns unserem Herrn zuzuwenden, so wie sich ein Kind in der Not an seine Mutter oder seinen Vater wenden würde. Doch so einladend dieses sanfte und anrührende Bild von Jesus als Hirten auch ist, gibt es noch andere Aspekte Seiner Aufgabe als Hirte, die ebenfalls betrachtet werden sollten.

Das oben zitierte Evangelium zeigt uns den Kern dessen, was Jesus als die wichtigste Eigenschaft eines guten Hirten beschreibt. Er ist einer, der „sein Leben hingibt für die Schafe“. Er ist einer, der bereit ist, aus Liebe für diejenigen zu leiden, die seiner Sorge anvertraut sind. Er ist einer, der das Leben der Schafe über sein eigenes Leben stellt. Im Mittelpunkt dieser Lehre steht das Opfer. Ein Hirte ist bereit, sich hinzugeben. Und diese Bereitschaft zur Hingabe ist die wahrste und treffendste Definition der Liebe.

Obwohl Jesus der „Gute Hirte“ ist, der Sein Leben für uns alle hingegeben hat, müssen auch wir uns täglich darum bemühen, Seine aufopfernde Liebe zu anderen nachzuahmen. Wir müssen jeden Tag für andere Christus, der Gute Hirte, sein. Das tun wir, indem wir nach Wegen suchen, unser Leben für andere hinzugeben, sie an die erste Stelle zu setzen, jede selbstsüchtige Neigung zu überwinden und ihnen mit unserem Leben zu dienen. Liebe bedeutet nicht nur, mit anderen innige und herzerwärmende Augenblicke zu erleben; zuallererst bedeutet Liebe, zur Hingabe bereit zu sein.

Betrachte heute diese beiden Bilder von Jesus, dem Guten Hirten. Denke zuerst über den zärtlichen und sanftmütigen Herrn nach, der dich willkommen heißt und auf heilige, mitfühlende und liebevolle Weise für dich sorgt. Richte dann aber deinen Blick auf die Kreuzigung. Unser Guter Hirte hat tatsächlich Sein Leben für uns alle hingegeben. Seine Hirtenliebe führte Ihn dazu, großes Leid zu ertragen und Sein Leben hinzugeben, damit wir gerettet werden können. Jesus hatte keine Angst, für uns zu sterben, denn Seine Liebe war vollkommen. Wir sind es, die Ihm am Herzen liegen, und Er war bereit, alles zu tun, was nötig war, um uns zu lieben – sogar Sein Leben aus Liebe zu opfern. Betrachte diese überaus heilige und reine, aufopfernde Liebe und bemühe dich, allen, die zu lieben du berufen bist, eben diese Liebe immer vollkommener zu schenken.

Jesus, unser Guter Hirte, ich danke Dir von Herzen, dass Du mich so sehr liebst, dass Du Dein Leben am Kreuz für mich geopfert hast. Du liebst mich nicht nur mit größter Zärtlichkeit und tiefstem Mitgefühl, sondern auch in aufopfernder und selbstloser Weise. Während ich Deine göttliche Liebe empfange, hilf mir, lieber Herr, auch Deine Liebe nachzuahmen und mein Leben für andere hinzugeben. Jesus, mein Guter Hirte, ich vertraue auf Dich.


Gegensätzliche Stimmen

Vierter Sonntag der Osterzeit (Lesejahr C) – Sonntag des Guten Hirten

„Meine Schafe hören auf Meine Stimme; Ich kenne sie und sie folgen Mir.“ Johannesevangelium 10:27

Jesus zeigt einen deutlichen Gegensatz zwischen verschiedenen Hirten auf. Das gilt für Priester, Eltern und für uns alle auf unsere je eigene Weise. Er stellt diejenigen, die sich von Herzen um die ihnen Anvertrauten kümmern, jenen gegenüber, die ihre Aufgaben nur äußerlich erfüllen und sich mehr von Eigennutz als von aufopfernder Liebe leiten lassen.

Als göttlicher Hirte hat Jesus die aufopfernde Liebe vollkommen sichtbar gemacht. Er war bereit, für uns, Seine Schafe, bis zum Äußersten zu gehen. Er war bereit, alles zu opfern. Weder Leiden noch Verfolgung, Ablehnung oder Ähnliches hielten Ihn davon ab, Seiner Verantwortung nachzukommen und ganz und gar für uns zu sorgen. Zu wissen, wie tief Seine Liebe zu uns wirklich ist, sollte uns anspornen, trösten und ermutigen.

Diese Liebe zeigt sich auch in der unerschütterlichen Liebe eines Elternteils, eines Bruders, einer Schwester oder eines lieben Freundes. Wenn die Liebe, die uns jemand schenkt, unerschütterlich bleibt, gerade in schwierigen Zeiten, ist das eine große Stütze. Und wer einem anderen solche Liebe schenkt, knüpft ein tiefes geistliches Band, das stärker ist als jede Not, die uns begegnen mag. Welcher „Wolf“ uns auch begegnet: Wir müssen wissen, dass wir auf den unerschütterlichen Beistand des göttlichen Hirten zählen können. Und wenn wir sehen, wie diese Liebe im unerschütterlichen Beistand anderer sichtbar wird, sind wir doppelt gesegnet.

Doch auch den Gegensatz dürfen wir nicht übersehen. Jesus nennt das Beispiel eines „bezahlten Knechts, der nicht Hirt ist“, der den Wolf kommen sieht und flieht. Es ist wichtig, darauf hinzuweisen, wie sehr dieser Mann dem Volk Gottes schadet. Wenn er vor seiner Verantwortung flieht und eigennützigen Beweggründen nachgibt, lässt er die Herde unbehütet und Angriffen schutzlos ausgeliefert zurück.

In diesem bezahlten Knecht sollten wir die Versuchung erkennen, der wir alle im Leben unweigerlich begegnen. Es ist schwer, auch in schwierigen Zeiten durchzuhalten. Es ist schwer, für diejenigen da zu sein, die uns brauchen, wenn sie uns brauchen. Es ist schwer, in allem treu zu sein und niemals zurückzuschrecken, wenn die Angst uns in Versuchung führt.

Als unser Hirte schenkt Jesus uns Seine unerschütterliche Liebe und Seinen Beistand. Doch Er möchte auch, dass wir Ihm diese Gabe erwidern, indem wir einander mit derselben unerschütterlichen Treue begegnen.

Denke heute darüber nach, wie gut du den Guten Hirten nachahmst. Wo es dir daran mangelt, lass dich von Ihm als deinem Hirten führen, damit du anderen ein Hirte sein kannst. Eile zum Guten Hirten und vertraue auf Seine vollkommene Liebe zu dir.

Jesus, unser guter Hirte, ich danke Dir, dass Du mir als mein Hirte unerschütterlich beistehst. Und ich danke Dir für alle, die als Deine Werkzeuge diese tiefe Liebe und Treue vermitteln. Hilf mir, meine Aufgabe als Hirte für Deine Menschen zu erfüllen, für die Menschen, die Du mir anvertraut hast. Möge ich niemals vor der herrlichen Verantwortung fliehen, zu der Du mich berufen hast. Jesus, ich vertraue auf Dich.


Die Stimme des Hirten

Montag der vierten Osterwoche

Hinweis: Im Lesejahr A, wenn dieses Evangelium bereits am vorhergehenden Sonntag gelesen wird, wird heute Johannesevangelium 10:11-18 verwendet.

„…die Schafe hören auf seine Stimme; er ruft die Schafe, die ihm gehören, einzeln beim Namen und führt sie hinaus. Wenn er alle seine Schafe hinausgetrieben hat, geht er ihnen voraus, und die Schafe folgen ihm; denn sie kennen seine Stimme. Einem Fremden aber werden sie nicht folgen, sondern sie werden vor ihm fliehen, weil sie die Stimme der Fremden nicht kennen.“ Johannesevangelium 10:3–5

Was ist dir im Leben am vertrautesten? Welche Stimme oder welche Stimmen klingen die meiste Zeit in deinen Gedanken nach? Regelmäßig sind wir vielen Einflüssen ausgesetzt. Manche sind gut, andere weniger gut. Oft reden wir uns ein, dass die vielen „Stimmen“ oder Einflüsse, denen wir täglich begegnen, uns nicht beeinflussen. Die Stimme der Medien, die Popkultur, die Liebe zum Geld, der Wunsch nach Anerkennung und vieles mehr setzen uns unter Druck. Das sind mächtige Einflüsse, und ob wir es glauben wollen oder nicht: Sie wirken auf uns ein.

Das obige Evangelium gibt uns Einblick in diesen inneren Kampf, indem es die Stimme des Hirten der Stimme eines Fremden gegenüberstellt. Schafe lassen sich leicht etwas beibringen und an bestimmte Verhaltensweisen gewöhnen. Sie lernen die Stimme ihres Hirten kennen, denn es war üblich, dass Hirten regelmäßig mit ihren Schafen sprachen. Sobald sich die Schafe an die Stimme des Hirten gewöhnt hatten, wandten sie sich ihm zu und folgten ihm, wenn er rief.

So ist es auch mit uns. Wir werden der Stimme dessen folgen, was uns am vertrautesten ist. Was auch immer es ist, in das wir Tag für Tag eintauchen: Es wird uns immer vertrauter werden und uns dazu bewegen, ihm zu folgen, selbst ohne dass wir es merken.

Das wirft die Frage auf: „Was ist dir am vertrautesten?“ Im Idealfall verbringen wir genügend Zeit mit Gottes Wort und lernen dabei Seine Sprache, Seinen Ton und Seine Stimme kennen. Im Idealfall widmen wir jeden Tag einen Teil unserer Zeit der stillen Betrachtung Gottes. Dadurch gewöhnen wir uns daran, Ihn sprechen zu hören, und Seine Stimme wird uns vertraut und schenkt uns Trost.

Wenn diese Gewohnheit erst einmal in uns gefestigt ist, wird es uns viel leichter fallen, mitten in unserem geschäftigen Alltag Gott zu hören, wann immer Er zu uns sprechen möchte. Wir werden sofort erkennen, dass Er es ist, und Ihm folgen.

Denke heute darüber nach, was am lautesten nach dir ruft. Lass nicht zu, dass die vielen anderen Stimmen in unserer Welt Gottes Stimme übertönen. Bereite dich stattdessen auf die Augenblicke vor, in denen Er zu dir sprechen will. Und wenn Er spricht, lass Seine Stimme deine Aufmerksamkeit auf sich ziehen, damit du Ihm folgen kannst.

Mein Herr, der Du zu mir sprichst, hilf mir, Deine sanfte Stimme in meinem ganzen Alltag zu erkennen und zu lieben. Möge diese Stimme alle anderen übertönen, die um meine Aufmerksamkeit ringen. Ich wähle Dich, lieber Herr, als meinen einzigen Hirten und Wegweiser. Jesus, ich vertraue auf Dich.


Die Sprache Jesu

Dienstag der vierten Osterwoche

Jesus ging im Tempel in der Halle Salomos auf und ab. Da umringten ihn die Juden und sagten zu ihm: „Wie lange willst du uns noch hinhalten? Wenn du der Christus bist, sag es uns offen!“ Jesus antwortete ihnen: „Ich habe es euch gesagt, und ihr glaubt nicht.“ Johannesevangelium 10:24–25

Diese Aussage Jesu mag Seine Anhänger verwirrt haben. Sie wollten glauben, dass Jesus der Messias war, und so baten sie Ihn, ihnen offen zu sagen, ob Er der Messias sei. Und wie antwortete Er? Er sagt ihnen, dass Er es ihnen bereits gesagt hat und sie nicht geglaubt haben. Das ist eine interessante Situation.

Zunächst ist dazu zu sagen, dass Jesus ihnen keinen Vorwurf machte. Er half ihnen, Seine Sprache zu verstehen. Er half ihnen zu verstehen, dass die Antwort auf ihre Frage nicht einfach darin bestand, dass Jesus ihnen sagte: „Ich bin der Messias!“ Vielmehr musste die Antwort auf ihre Frage vom Vater im Himmel zu ihnen kommen und ihren Herzen zugesprochen werden, während sie Jesus zuhörten und Seine Wunder miterlebten. Die Antwort sollte ihnen durch die Gabe des Glaubens geschenkt werden, die sie in ihrem Inneren empfangen mussten. Diese Gabe des Glaubens würde ihnen die Gewissheit schenken, nach der sie sich so sehr sehnten.

So ist es auch mit uns. Vielleicht hast du dir manchmal gewünscht, Gott möge vom Himmel herabkommen und dir die Antwort auf diese oder jene Frage „offen“ sagen. Doch das tut Er nicht. Er tut es auf Seine vollkommene Weise und in Seiner vollkommenen Sprache. Es ist die Sprache des Glaubens, und um sie zu hören und zu verstehen, müssen wir unseren Verstand und unseren Willen ganz Gott unterordnen. Nur so können wir die Umkehr erfahren, die Gott für uns will.

Denke heute darüber nach, wie gut du zuhörst, wenn Gott spricht. Sehr wahrscheinlich kannst du lernen, Ihm aufmerksamer zuzuhören und Seine Stimme der Wahrheit deutlicher zu erkennen. Wenn du Ihn hörst, lass dich ganz von allem überzeugen, was Er sagt. Und lass diese tiefe Überzeugung dein Leben bestimmen.

Herr aller Wahrheit, so oft lasse ich es nicht zu, Dich durch die Gabe des Glaubens klar zu hören. So oft wünsche ich mir eine einfache Antwort auf die schwierigen Fragen. Hilf mir, in der Geduld zu wachsen, damit ich Dich erkenne und zulasse, dass Du mein wahrer Hirte wirst. Jesus, ich vertraue auf Dich.


Evangelisieren durch Einheit

Mittwoch der vierten Osterwoche

Jesus rief aus: „Wer an mich glaubt, glaubt nicht nur an mich, sondern auch an den, der mich gesandt hat, und wer mich sieht, sieht den, der mich gesandt hat.“ Johannesevangelium 12:44–45

Wörtlich genommen ist das schwer zu begreifen. Wie kann es sein, dass diejenigen, die Jesus ansahen, zugleich auch den Vater ansahen? Wie kann es sein, dass Jesus zu sehen bedeutete, den Vater im Himmel zu sehen?

Die Antwort ist ganz einfach. Die Einheit zwischen dem Vater und dem Sohn ist vollkommen. Sie bleiben voneinander unterschiedene Personen, sind aber zugleich eins. Sie sind in Ihrer vollkommenen Liebe und in der vollkommenen Gemeinschaft Ihres Willens vereint.

Deshalb bedeutet Jesus zu kennen auch, den Vater zu kennen. Doch in Wahrheit ist die Gegenwart des Vaters ebenso verhüllt wie die Gottheit des Sohnes. Auch wenn wir nicht wie die ersten Jünger erleben, wie Jesus auf Erden wandelt, begegnen wir jedes Mal derselben Wirklichkeit, wenn wir vor die heilige Eucharistie treten. Wenn wir eine Kirche betreten und vor dem Tabernakel eine Kniebeuge machen, ist es wichtig, uns stets ganz besonders bewusst zu sein, dass wir in der vollen göttlichen Gegenwart Gottes, des Sohnes, sind. Und deshalb sind wir auch in der vollen göttlichen Gegenwart des Vaters! Ihre Gegenwart ist wirklich und uneingeschränkt. Sie sind lediglich unseren fünf Sinnen verborgen.

Ein wesentlicher Punkt, über den wir hier nachdenken sollten, ist jedoch die Einheit des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. Über Ihre Einheit betend nachzudenken, ist eine sehr heilsame Betrachtung für unser Gebetsleben. Warum? Weil wir berufen sind, an Ihrer Einheit teilzuhaben, und weil wir berufen sind, in Einheit miteinander zu leben.

Einheit ist schwer. Sie erfordert ein ungeheures Maß an Liebe. Sie bedeutet, ganz für den anderen da zu sein und danach zu streben, ihn ganz zu verstehen, anzunehmen und zu erkennen. Und die heiligste Dreifaltigkeit ist darin unser Vorbild. Ob Eltern und Kinder, Eheleute, Freunde oder andere Menschen: Wir sind zu einer tiefen und bleibenden Einheit berufen.

Denk an jemanden, den du gut kennst. Und denk an jemanden, den diese Person gut kennt und liebt. Bis zu einem gewissen Grad hast du vielleicht das Gefühl, auch diesen anderen Menschen zu kennen, allein dadurch, dass du die Person kennst, die ihn kennt. Stell dir zum Beispiel vor, ein sehr guter Freund von dir hat ein Kind und erzählt dir viel über dieses Kind. Was du dabei in deiner Beziehung zu deinem Freund erfährst, ist die Einheit zwischen diesem Elternteil und seinem Kind.

So ist es auch mit Gott. Wenn wir Gott, den Sohn, kennenlernen, lernen wir damit auch Gott, den Vater, kennen. Und die gute Nachricht ist: Wenn wir Gott kennen und dann zulassen, dass ein anderer Mensch uns kennenlernt, ermöglichen wir ihm dadurch, Gott durch uns kennenzulernen. Das ist eine der wunderbaren Möglichkeiten, das Evangelium zu verkünden und Gott zu den Menschen zu bringen, die wir kennen und lieben.

Denke heute über deine Beziehung zu Gott nach und darüber, wie sie in all deinen anderen Beziehungen aufleuchtet. Setze dich noch entschiedener dafür ein, Gott zu erkennen und zu lieben, damit auch die Menschen um dich herum durch deine Liebe zu Ihm beschenkt werden.

Herr der vollkommenen Einheit, hilf mir, Dich kennenzulernen und zu lieben und in dieser Beziehung auch den Vater und den Heiligen Geist kennenzulernen und zu lieben. Und während ich in der Liebe zu Dir, heiligste Dreifaltigkeit, wachse, hilf mir, diese Liebe in jede meiner Beziehungen hineinzutragen, damit ich für andere ein Werkzeug Deiner Liebe sein kann. Heiligste Dreifaltigkeit, ich vertraue auf Dich.


Sklaven Christi

Donnerstag der vierten Osterwoche

Als Jesus den Jüngern die Füße gewaschen hatte, sagte Er zu ihnen: „Amen, amen, Ich sage euch: Kein Sklave ist größer als sein Herr und kein Gesandter größer als der, der ihn gesandt hat.“ Johannesevangelium 13:16

Wenn wir zwischen den Zeilen lesen, können wir hören, wie Jesus uns zweierlei sagt. Erstens, dass es gut ist, uns als Sklaven und Gesandte Gottes zu verstehen, und zweitens, dass wir immer Gott die Ehre geben sollen. Das sind wichtige Grundsätze, nach denen wir im geistlichen Leben handeln sollen. Schauen wir uns beide an.

Normalerweise ist die Vorstellung, ein „Sklave“ zu sein, nicht gerade erstrebenswert. In unserer heutigen Zeit ist uns die Sklaverei nicht mehr so vertraut, doch sie ist Wirklichkeit und hat im Laufe der Weltgeschichte in vielen Kulturen und zu vielen Zeiten ungeheuren Schaden angerichtet. Das Schlimmste an der Sklaverei ist die Grausamkeit, mit der die Sklaven behandelt werden. Sie werden wie Gegenstände und Eigentum behandelt, was ihrer Menschenwürde völlig widerspricht.

Aber stell dir vor, ein Mensch wäre der Sklave von jemandem, der ihn vollkommen liebt und dessen vorrangige Aufgabe darin besteht, diesem „Sklaven“ zu helfen, seine wahren Möglichkeiten zu entfalten und Erfüllung im Leben zu finden. In diesem Fall würde der Herr dem Sklaven „befehlen“, sich der Liebe und dem Glück zu öffnen, und niemals seine Menschenwürde verletzen.

So ist es mit Gott. Wir sollten niemals vor dem Gedanken zurückschrecken, ein Sklave Gottes zu sein. Auch wenn diese Ausdrucksweise durch die Verletzungen der Menschenwürde in der Vergangenheit belastet sein mag, sollte es unser Ziel sein, Sklaven Gottes zu sein. Warum? Weil Gott derjenige ist, den wir uns als unseren Herrn wünschen sollten. Ja, wir sollten uns Gott als unseren Herrn noch mehr wünschen, als unser eigener Herr sein zu wollen. Gott wird uns besser behandeln, als wir uns selbst behandeln! Er wird uns ein vollkommenes Leben in Heiligkeit und Glück vorgeben, und wir werden uns Seinem göttlichen Willen demütig unterwerfen. Mehr noch: Wenn wir Ihn lassen, wird Er uns die nötigen Mittel geben, um alles zu verwirklichen, was Er uns vorgibt. Ein „Sklave Gottes“ zu sein ist etwas Gutes und sollte unser Lebensziel sein.

Während wir immer mehr lernen, Gott die Führung unseres Lebens zu überlassen, müssen wir auch regelmäßig eine Haltung der Dankbarkeit und des Lobpreises gegenüber Gott einnehmen für alles, was Er in uns tut. Wir müssen Ihm alle Ehre dafür geben, dass Er uns an Seiner Sendung teilhaben lässt und uns aussendet, Seinen Willen zu erfüllen. Er ist in jeder Hinsicht größer, doch Er möchte auch, dass wir an dieser Größe und Herrlichkeit teilhaben. Die gute Nachricht ist also: Wenn wir Gott verherrlichen und Ihm für alles danken, was Er in uns tut, und für alle Vorschriften Seines Gesetzes und Seine Gebote, wird Gott uns erheben, damit wir an Seiner Herrlichkeit teilhaben! Das ist eine Frucht des christlichen Lebens, die uns in einem Maß beschenkt, das alles übersteigt, was wir uns selbst je ausdenken könnten.

Denke heute darüber nach, dich ganz zum Sklaven Gottes und Seines Willens machen zu lassen. Diese Hingabe wird dich auf einen Weg unermesslicher Freude führen.

Mein Herr und Meister, ich unterwerfe mich jedem Deiner Gebote. Dein Wille geschehe in mir und nur Dein Wille. Ich wähle Dich in allem zu meinem Meister und vertraue auf Deine vollkommene Liebe zu mir. Jesus, ich vertraue auf Dich.


Das Haus unseres Vaters

Freitag der vierten Osterwoche

„Im Haus meines Vaters gibt es viele Wohnungen. Wenn es nicht so wäre, hätte ich euch dann gesagt, dass ich gehe, um einen Platz für euch vorzubereiten? Und wenn ich gehe und einen Platz für euch vorbereite, komme ich wieder und werde euch zu mir holen, damit auch ihr dort seid, wo ich bin.“ Johannesevangelium 14:2–3

Von Zeit zu Zeit ist es wichtig, dass wir unseren Blick auf die herrliche Wirklichkeit des Himmels richten! Der Himmel ist Wirklichkeit, und so Gott will, werden wir dort eines Tages alle mit unserem dreifaltigen Gott vereint sein. Wenn wir den Himmel wirklich verstünden, würden wir uns mit tiefer, brennender Liebe nach ihm sehnen und ihn voller Verlangen erwarten. Jedes Mal, wenn wir an ihn denken, wären wir von Frieden und Freude erfüllt.

Leider ist jedoch der Gedanke, diese Erde zu verlassen und unserem Schöpfer zu begegnen, für manche beängstigend. Vielleicht ist es die Angst vor dem Unbekannten, die Erkenntnis, dass wir unsere Lieben zurücklassen werden, oder womöglich sogar die Angst, dass der Himmel nicht unsere endgültige Ruhestätte sein wird.

Als Christen müssen wir uns darum bemühen, eine große Liebe zum Himmel zu entwickeln, indem wir nicht nur den Himmel selbst, sondern auch den Sinn unseres Lebens auf Erden richtig verstehen lernen. Der Himmel hilft uns, unser Leben zu ordnen und auf dem Weg zu bleiben, der zu dieser ewigen Seligkeit führt.

In der obigen Schriftstelle wird uns ein sehr tröstliches Bild des Himmels geschenkt. Es ist das Bild vom „Haus des Vaters“. Es lohnt sich, über dieses Bild nachzudenken, denn es zeigt uns, dass der Himmel unser Zuhause ist. Das Zuhause ist ein sicherer Ort. Es ist ein Ort, an dem wir wir selbst sein, uns entspannen, mit unseren Lieben zusammen sein und uns zugehörig fühlen können. Wir sind Gottes Söhne und Töchter, und Er hat beschlossen, dass wir dorthin, zu Ihm, gehören.

Über dieses Bild vom Himmel nachzudenken, sollte auch denen Trost schenken, die einen geliebten Menschen verloren haben. Abschied zu nehmen – vorerst –, ist sehr schwer. Und es darf auch schwer sein. Dass es so schwer ist, einen geliebten Menschen zu verlieren, zeigt, dass in dieser Beziehung wahre Liebe lebt. Und das ist gut. Doch Gott möchte, dass sich in das Gefühl des Verlustes auch Freude mischt, wenn wir darüber nachdenken, dass unser geliebter Mensch für alle Ewigkeit beim Vater in Seinem Haus ist. Dort sind unsere Lieben glücklicher, als wir es uns jemals vorstellen können, und eines Tages werden auch wir dazu gerufen, diese Freude zu teilen.

Betrachte heute dieses Bild vom Himmel: das Haus unseres Vaters. Verweile bei diesem Bild und lass Gott zu dir sprechen. Lass dabei dein Herz zum Himmel hingezogen werden, damit diese Sehnsucht dir hilft, dein Handeln hier und jetzt auszurichten.

Herr des Himmels und der Erde, ich sehne mich wirklich danach, ewig bei Dir im Himmel zu sein. Ich sehne mich danach, in Deinem Haus Geborgenheit und Trost zu finden und mit Freude erfüllt zu werden. Hilf mir, dies immer als mein Lebensziel vor Augen zu behalten und jeden Tag in der Sehnsucht nach dieser endgültigen Ruhestätte zu wachsen. Jesus, ich vertraue auf Dich.


Mit Zuversicht sprechen

Samstag der vierten Osterwoche

„Die Worte, die Ich zu euch sage, habe Ich nicht aus Mir selbst.“ Johannesevangelium 14:10

Diese Worte Jesu offenbaren einmal mehr Seine innige Einheit mit Seinem Vater. Er und der Vater sind eins, und was Er sagt, kommt auch vom Vater. Das Johannesevangelium verwendet immer wieder solche Formulierungen, um ihre vollkommene Einheit hervorzuheben.

Obwohl wir viel über die Einheit des Vaters und des Sohnes sagen könnten, ist es wichtig, uns daran zu erinnern, dass diese Worte Jesu im Idealfall auch unsere eigenen Worte sein sollten. Wie wunderbar ist es, sagen zu können, dass auch WIR nicht aus uns selbst sprechen, sondern dass der Vater durch uns spricht. Das sollte unser beständiges Ziel sein.

Wenn wir aus uns selbst zu anderen sprechen und uns dabei auf unsere eigene Weisheit und Einsicht verlassen, dann müssen wir auch demütig zugeben, dass unsere Worte nicht so kraftvoll sein werden. Das ist schwer einzugestehen, aber es ist wahr. Wir können leicht in die Falle geraten, zu meinen, unsere Ansichten seien richtig und die anderen müssten auf uns hören.

Wenn wir hingegen Worte sprechen können, hinter denen der Vater steht, Worte, die aus Seinem Herzen kommen, dann werden wir allmählich erkennen, dass diese Worte im Leben anderer wirklich etwas bewirken. Worte haben Gewicht, und wir sollten stets sehr sorgfältig darauf achten, was wir sagen und wie wir es sagen.

Wenn wir dem Vater erlauben, in uns und durch uns zu sprechen, erhalten unsere Worte plötzlich neue Überzeugungskraft und Stärke. Sie werden zu Worten, die Gott zu anderen spricht, und zu Worten, durch die Gott in ihrem Leben etwas bewirken kann.

Denke heute darüber nach, wie du im Alltag sprichst. Wenn es dir manchmal schwerfällt, die richtigen Worte zu finden oder zu wissen, wie du etwas sagen sollst, dann ist es gut, um die Gnade zu beten, nur das zu sagen, was der Vater dir zu sagen gibt – nicht mehr und nicht weniger. Bete darum und sei zuversichtlich, dass Gott durch dich viel zu sagen hat.

Vater im Himmel, gib mir Deine Worte, damit ich sie ausspreche. Hilf mir, mich in meinem Herzen immer vertrauensvoll an Dich zu wenden, damit Du die Quelle aller Wahrheit und Güte bist. Lass diese Wahrheit und Güte jeden einzelnen Tag aus mir hervorströmen. Jesus, ich vertraue auf Dich.

Fünfte Osterwoche

Inhaltsverzeichnis


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