
Als sie an den Ort kamen, der Schädelhöhe heißt, kreuzigten sie Ihn und die Verbrecher dort, den einen rechts von Ihm, den anderen links. [Jesus aber sagte: „Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun.“] Lukasevangelium 23:33-34a
Als unsere selige Mutter vor dem Kreuz ihres Sohnes stand, hörte sie Ihn voller Mitgefühl, Überzeugung und Barmherzigkeit diese Worte sprechen: „Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun.“ Was mag Maria, unsere Mutter, gedacht haben, als sie hörte, wie ihr Sohn diese Worte über diejenigen sprach, die für Seine grausame Folter und Seinen Tod verantwortlich waren? Was mag sie als Mutter über dieses Gebet ihres Sohnes gedacht haben?
Dies ist das erste der sieben Worte, die unser göttlicher Herr am Kreuz sprach. In vielerlei Hinsicht bilden sie die Grundlage der Lehre für das gesamte christliche Leben. Diese Worte über die Vergebung sind ein wesentlicher Bestandteil dieser Grundlage.
Als unsere selige Mutter diese Worte ihres Sohnes hörte, dürfte sie sich sogleich den Empfindungen angeschlossen haben, die aus dem Herzen ihres Sohnes sprachen. Als Jesus zum Vater rief und um Erbarmen für diejenigen flehte, die für Seine grausame Kreuzigung verantwortlich waren, dürfte auch unsere selige Mutter mit Ihm gerufen haben, wie in einem gemeinsamen Lied der Barmherzigkeit und des Lobpreises. Ihre barmherzigen Herzen waren vereint. Ein einziges, unerschütterliches Lied der Vergebung wurde von zwei Stimmen gesungen: von Ihm, der körperlich litt, und von ihr, die im Stillen litt.
In einem solchen Augenblick vorbehaltlos zu vergeben, übersteigt beinahe das menschliche Vorstellungsvermögen. Es übersteigt das, was unsere gefallene menschliche Natur unmittelbar erfassen kann. So oft wollen wir Rache und weltliche Gerechtigkeit. Wir wollen, dass andere für ihr Unrecht zur Rechenschaft gezogen und verurteilt werden. Doch das ist nicht unsere Aufgabe. Der Vater im Himmel ist der einzige Richter. Wir haben nur die Pflicht zu vergeben. Und das müssen wir immer wieder tun.
Wer hat dich verletzt? Gegen wen hegst du einen Groll? Wem hast du nicht vergeben? Einem anderen zu vergeben entschuldigt seine Sünde nicht. Im Gegenteil: Ein Akt der Vergebung erkennt die Sünde als eine vorausgegangene Tat an, die der Barmherzigkeit bedarf. Vergebung schenkt Barmherzigkeit, selbst wenn sie nicht erbeten oder auch nicht verdient wird. Wir müssen in jeder Lebenslage vorbehaltlos Barmherzigkeit schenken, weil Gott uns grenzenlose Barmherzigkeit geschenkt hat. Barmherzigkeit fließt von oben nach unten.
Betrachte heute die Mutter Gottes, die mit eigenen Augen sieht, wie ihr Sohn auf grausamste Weise misshandelt wird. Während du sie am Fuß des Kreuzes betrachtest, höre, wie Jesus diese machtvollen Worte spricht: „Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun.“ Höre diese Worte gemeinsam mit unserer seligen Mutter und sei dir bewusst, dass sie sie ohne Vorbehalt mit ihrem Sohn mitsprach. Stimme in ihr Gebet ein und bringe es für jene dar, denen du vergeben musst.
Meine liebste Mutter der Barmherzigkeit, du hast voller Liebe zugehört, als dein Sohn diese so unfassbaren Worte sprach: „Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun.“ Diese Worte waren wie ein Pfeil der Barmherzigkeit, der dein Herz durchbohrte. Und du hast auf diese Worte mit deinem eigenen Gebet um Barmherzigkeit für all jene geantwortet, die gegen deinen Sohn gesündigt hatten.
Meine liebe Mutter, bitte für mich, damit ich diesem Gebet der Vergebung in meinem eigenen Leben nacheifern kann. Bitte für mich, damit ich nicht zögere, allen diese Barmherzigkeit zu schenken, die gegen mich gesündigt haben.
Mein barmherziger Herr, Du hast nicht gezögert, denen zu vergeben, die schwer gegen Dich gesündigt haben. Sie haben Dich mit unbegreiflicher Grausamkeit behandelt, und doch hast Du ihnen in vollkommener Barmherzigkeit vergeben. Schenke mir die Gnade, die ich brauche, lieber Herr, um denen zu vergeben, die gegen mich gesündigt haben. Ersetze Zorn und Hass durch Liebe und Barmherzigkeit.
Mutter Maria, bitte für mich. Jesus, ich vertraue auf Dich.
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