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30. Woche im Jahreskreis

Das größte Gebot

30. Sonntag im Jahreskreis (Lesejahr A)

„Meister, welches Gebot im Gesetz ist das größte?“ Matthäusevangelium 22:36

Diese Frage stellte einer der Gesetzeslehrer, um Jesus auf die Probe zu stellen. Aus dem Zusammenhang dieser Stelle wird deutlich, dass das Verhältnis zwischen Jesus und den religiösen Führern Seiner Zeit zunehmend von Auseinandersetzungen geprägt war. Sie begannen, Ihn auf die Probe zu stellen, und versuchten sogar, Ihm eine Falle zu stellen. Doch Jesus brachte sie mit Seinen Worten der Weisheit immer wieder zum Schweigen.

Auf die obige Frage gibt Jesus die vollkommene Antwort und bringt damit diesen Gesetzeslehrer zum Schweigen. Er sagt: „Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit deinem ganzen Denken. Das ist das größte und erste Gebot. Ebenso wichtig ist das zweite: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst“ (Matthäusevangelium 22:37-39).

Mit dieser Aussage fasst Jesus das in den Zehn Geboten enthaltene Sittengesetz vollständig zusammen. Die ersten drei Gebote zeigen, dass wir Gott über alles und mit all unserer Kraft lieben müssen. Die letzten sieben Gebote zeigen, dass wir unseren Nächsten lieben müssen. Das Sittengesetz Gottes ist so einfach wie die Erfüllung dieser beiden übergeordneten Gebote.

Aber ist das alles wirklich so einfach? Die Antwort lautet sowohl „Ja“ als auch „Nein“. Es ist insofern einfach, als Gottes Wille in der Regel nicht kompliziert und schwer zu verstehen ist. In den Evangelien wird klar dargelegt, was Liebe bedeutet, und wir sind dazu berufen, ein radikales Leben in wahrer Liebe und Nächstenliebe zu führen.

Dennoch kann es als schwierig gelten, denn wir sind nicht nur dazu berufen, zu lieben, sondern mit unserem ganzen Sein zu lieben. Wir müssen uns vollständig und ohne Vorbehalt hingeben. Das ist radikal und verlangt, dass wir nichts zurückhalten.

Denke heute über den einfachen Ruf nach, Gott und deinen Nächsten mit allem zu lieben, was du bist. Denke besonders über dieses Wort „allem“ nach. Dabei wirst du dir ganz gewiss bewusst werden, wo du nicht alles hingibst. Wenn du dein Versagen erkennst, entscheide dich voller Hoffnung erneut für den herrlichen Weg, dich Gott und deinen Mitmenschen ganz zu schenken.

Mein liebender Herr, ich entscheide mich, Dich mit meinem ganzen Herzen, meinem ganzen Verstand, meiner ganzen Seele und meiner ganzen Kraft zu lieben. Ich entscheide mich auch, alle Menschen so zu lieben, wie Du sie liebst. Gib mir die Gnade, diese beiden Liebesgebote zu leben und sie als den Weg zu einem heiligen Leben zu erkennen. Ich liebe Dich wirklich, lieber Herr. Hilf mir, Dich mehr zu lieben. Jesus, ich vertraue auf Dich.


Jesus, hab Erbarmen!

30. Sonntag im Jahreskreis (Lesejahr B)

Als Bartimäus hörte, dass es Jesus von Nazaret war, begann er laut zu rufen: „Jesus, Sohn Davids, hab Erbarmen mit mir!“ Markusevangelium 10:47

Diese Worte des blinden Bartimäus sind aus mehreren Gründen ein vollkommenes Gebet.

Erstens offenbart dieses Gebet die tiefe Demut des Bartimäus. Mit diesem Gebet bringt Bartimäus zum Ausdruck, dass er wusste: Jesus war die Quelle dessen, was er brauchte, und er selbst konnte sich nicht helfen. Bartimäus wusste, dass er schwach war, Jesus aber die vollkommene Stärke. So wandte er sich in seiner Not demütig an Jesus und erkannte Ihn als die Quelle an.

Zweitens ist es ein Gebet, das um „Erbarmen“ ruft. Erbarmen ist das Gefühl von Trauer und Mitgefühl, das durch das Leiden anderer hervorgerufen wird. Erbarmen ist Barmherzigkeit und jene Form der Liebe, die jemand einem anderen schenkt, ohne dazu verpflichtet zu sein. In diesem Gebet bittet Bartimäus den allmächtigen Herrn, ihm Güte und Barmherzigkeit zu erweisen, obwohl er einer solchen Gabe unwürdig ist. Dieses Gebet zeigt, dass Bartimäus wusste, dass er die Hilfe unseres Herrn nicht verdiente. Dennoch rief er danach, in der Hoffnung, dass Jesus helfen würde. Und tatsächlich hilft Er ihm.

Drittens offenbart dieses Gebet eine ganz bestimmte, tiefe Leidenschaft. Es ist nicht nur eine Bitte um Gottes Hilfe, sondern ein Hilfeschrei. Es ist ein Flehen und eine Form des Bettelns. Es bedeutet, seine Seele vor Gott zu öffnen, ohne sich darum zu sorgen, die eigenen Schwächen zu zeigen, oder sich Gedanken darüber zu machen, ob andere es mitbekommen oder was sie denken werden. Das zeigt die Tiefe des Gebets dieses blinden Mannes.

Denke heute über diese drei Lehren aus dem kurzen Gebet des Bartimäus nach. Wir müssen demütig sein, um Erbarmen flehen und dies mit tiefer Leidenschaft und Sehnsucht tun. Wenn wir so beten, wird uns das ganz gewiss für die Gnade und Barmherzigkeit Gottes empfänglich machen.

Herr Jesus, Sohn Davids, hab Erbarmen mit mir. Demütig flehe ich Dich von ganzem Herzen um Deine Barmherzigkeit und Dein Mitgefühl an. Obwohl ich unwürdig bin, suche ich Deine Gnade und vertraue auf Deine Güte. Jesus, ich vertraue auf Dich.


Wahre Gerechtigkeit

30. Sonntag im Jahreskreis (Lesejahr C)

Jesus erzählte dieses Gleichnis einigen, die von ihrer eigenen Gerechtigkeit überzeugt waren und alle anderen verachteten. Lukasevangelium 18:9

Diese Schriftstelle ist die Einleitung zum Gleichnis vom Pharisäer und vom Zöllner. Das Gleichnis stellt zwei grundlegende Haltungen in einen deutlichen Gegensatz. Zum einen zeigt die Haltung des Pharisäers, dass er von sich selbst sehr beeindruckt ist, großen Wert auf sein Ansehen in der Öffentlichkeit legt und sich seiner eigenen Sünde nicht bewusst ist. Zum anderen zeigt die Haltung des Zöllners, dass er sich seiner eigenen Sünde zutiefst bewusst ist, sie bereut und weiß, dass er Gottes Barmherzigkeit braucht. Das Ergebnis dieser beiden sehr unterschiedlichen Haltungen ist, dass der Zöllner gerechtfertigt nach Hause ging, der Pharisäer hingegen nicht.

Was bedeutet es, gerechtfertigt zu sein? Es bedeutet, dass der Zöllner ein reines Gewissen hatte und in der Wahrheit verwurzelt war. Er wusste, dass er Barmherzigkeit brauchte, flehte darum und empfing sie. Er belog weder sich selbst noch andere noch Gott. Er wusste, wer er war, und gerade diese Wahrheit ermöglichte es Gott, ihn zu erhöhen. Die Rechtfertigung des Zöllners geschah durch die Vergebung seiner Sünden und dadurch, dass ihm Gottes Barmherzigkeit in seinem Leben geschenkt wurde.

Der Pharisäer mag sich bis zu einem gewissen Grad gut gefühlt haben, weil er sich vor aller Augen selbst erhöhte. Er war von seiner eigenen Selbstgerechtigkeit überzeugt, war aber in Wahrheit nicht gerecht. Er war nur selbstgerecht. Er lebte in einer Lüge und glaubte höchstwahrscheinlich selbst daran; vielleicht hatte er sogar andere von dieser Lüge überzeugt. Doch die Tatsache blieb bestehen: Der Pharisäer war nicht gerecht, und er war nicht wirklich gerechtfertigt.

Was wir aus dieser Stelle mitnehmen müssen, ist die tiefe Erkenntnis, wie wichtig es ist, in der Wahrheit zu leben. Wer ein falsches Bild von sich selbst zeichnet, mag sich selbst und sogar andere täuschen. Aber Gott wird er niemals täuschen, und er wird niemals wahren Frieden in seiner Seele finden können. Jeder von uns muss demütig die Wahrheit über seine Sünde und Schwachheit erkennen und in dieser Erkenntnis um das einzige Heilmittel flehen – die Barmherzigkeit Gottes.

Betrachte heute das Gebet dieses Zöllners: „Gott, sei mir Sünder gnädig!“ (Lukasevangelium 18:13). Mach es zu deinem Gebet. Gestehe deine Sünde ein. Erkenne an, dass du Gottes Barmherzigkeit brauchst, und lass dich durch diese Barmherzigkeit in der Gerechtigkeit Gottes erhöhen.

Herr aller Gerechtigkeit, Jesus Christus, sei mir bitte barmherzig, denn ich bin ein Sünder. Ich erkenne meine Sünde und meine Schwachheit an und flehe um Deine überreiche Barmherzigkeit. Bitte gieße Deine Barmherzigkeit aus und hilf mir, mein Herz für alles zu öffnen, was Du mir schenken möchtest. Hilf mir, demütig in der Wahrheit zu leben, lieber Herr. Jesus, ich vertraue auf Dich.


Jesus heilt

Montag der 30. Woche im Jahreskreis

Jesus lehrte am Sabbat in einer Synagoge. Dort war eine Frau, die seit achtzehn Jahren durch einen Geist verkrüppelt war; sie war ganz verkrümmt und konnte sich überhaupt nicht mehr aufrichten. Als Jesus sie sah, rief Er sie zu sich und sagte: „Frau, du bist von deinem Leiden befreit.“ Er legte ihr die Hände auf, und im selben Augenblick richtete sie sich auf und pries Gott. Lukasevangelium 13:10-13

Jedes Wunder Jesu ist gewiss ein Akt der Liebe gegenüber dem Menschen, der geheilt wird. In dieser Erzählung litt die Frau seit achtzehn Jahren, und Jesus zeigt ihr Sein Erbarmen, indem Er sie heilt. Auch wenn dies ganz unmittelbar ein deutlicher Akt der Liebe zu ihr ist, enthält die Erzählung noch viel mehr, woraus wir lernen können.

Eine Botschaft, die wir dieser Geschichte entnehmen können, ergibt sich daraus, dass Jesus aus eigener Initiative heilt. Während manche Wunder auf die Bitte und das Gebet des Geheilten hin geschehen, entspringt dieses Wunder allein der Güte Jesu und Seinem Mitgefühl. Diese Frau suchte offenbar nicht nach Heilung, doch als Jesus sie sah, empfand Er tiefes Mitgefühl mit ihr und heilte sie.

So ist es auch bei uns: Jesus weiß, was wir brauchen, noch bevor wir Ihn darum bitten. Unsere Aufgabe ist es, Ihm stets treu zu bleiben und zu wissen, dass Er uns, wenn wir Ihm treu bleiben, das geben wird, was wir brauchen – noch bevor wir darum bitten.

Eine zweite Botschaft ergibt sich daraus, dass diese Frau sich nach ihrer Heilung „aufrichtete“. Das ist ein Sinnbild dafür, was die Gnade in uns bewirkt. Wenn Gott in unser Leben tritt, können wir uns sozusagen aufrichten. Wir können mit neuer Zuversicht und Würde unseren Weg gehen. Wir entdecken, wer wir sind, und leben frei in Seiner Gnade.

Denke heute über diese beiden Tatsachen nach. Gott kennt jede deiner Nöte und wird Abhilfe schaffen, wenn es für dich am besten ist. Wenn Er dir Seine Gnade schenkt, wird sie dich außerdem befähigen, als Sein Sohn oder Seine Tochter in vollem Vertrauen zu leben.

Herr aller Gnade, ich gebe mich Dir hin und vertraue auf Deine überreiche Barmherzigkeit. Ich vertraue darauf, dass Du mich befähigen wirst, jeden Tag meines Lebens voller Zuversicht auf Deinen Wegen zu gehen. Jesus, ich vertraue auf Dich.


Umkehr des Herzens

Dienstag der 30. Woche im Jahreskreis

Wieder sagte Er: „Womit soll ich das Reich Gottes vergleichen? Es ist wie Sauerteig, den eine Frau nahm und unter drei Maß Weizenmehl mischte, bis der ganze Teig durchsäuert war.“ Lukasevangelium 13:20-21

Hefe ist etwas Faszinierendes. Sie ist so klein und hat doch eine so starke Wirkung auf den Teig. Die Hefe wirkt langsam und auf eine beinahe wundersame Weise. Nach und nach geht der Teig auf und verwandelt sich. Für Kinder ist es beim Brotbacken immer wieder faszinierend, das zu beobachten.

So wirkt das Evangelium im Idealfall in unserem Leben. Schon jetzt ist das Reich Gottes vor allem in unseren Herzen lebendig. Die Umkehr unserer Herzen wird sich nur selten innerhalb eines Tages oder in einem einzigen Augenblick wirklich vollziehen. Gewiss ist jeder Tag und jeder Augenblick wichtig, und sicherlich können wir alle auf eindrucksvolle Momente der Umkehr verweisen. Doch die Umkehr des Herzens gleicht eher dem Sauerteig, der den Teig aufgehen lässt. Die Umkehr des Herzens geschieht gewöhnlich nach und nach, Schritt für Schritt. Wir lassen den Heiligen Geist unser Leben immer tiefer leiten. Dabei wachsen wir immer weiter in der Heiligkeit, so wie der Teig langsam, aber sicher aufgeht.

Betrachte heute dieses Bild der Hefe, die den Teig aufgehen lässt. Siehst du darin ein Bild deiner Seele? Siehst du, wie der Heilige Geist nach und nach an dir wirkt? Siehst du, wie du dich langsam, aber stetig veränderst? Hoffentlich lautet die Antwort „Ja“. Auch wenn die Umkehr nicht immer über Nacht geschieht, muss sie doch beständig sein, damit die Seele auf dem Weg zu dem Ort voranschreiten kann, den Gott für sie bereitet hat.

Herr, ich sehne mich wirklich danach, heilig zu werden. Ich sehne mich danach, jeden Tag ein wenig mehr verwandelt zu werden. Hilf mir, zuzulassen, dass Du mich in jedem Augenblick meines Lebens veränderst, damit ich beständig den Weg gehen kann, den Du für mich bereitet hast. Jesus, ich vertraue auf Dich.


Vermessenheit

Mittwoch der 30. Woche im Jahreskreis

„Dann wird er zu euch sagen: ‚Ich weiß nicht, woher ihr seid. Weg von mir, ihr habt alle Unrecht getan!‘“ Lukasevangelium 13:27

Jesus macht deutlich, dass einige zu Ihm kommen und dabei wie selbstverständlich annehmen werden, in den Himmel eingelassen zu werden. Doch auf diese vermessene Annahme werden sie diese erschreckenden Worte zu hören bekommen: „Ich weiß nicht, woher ihr seid. Weg von mir!“

Vermessenheit ist eine gefährliche Sünde. Sie ist aus zwei Gründen gefährlich. Erstens: Wer vermessen ist, lebt in der Verleugnung der Wahrheit. Im Hinblick auf Gott bedeutet Vermessenheit, dass Menschen so handeln, als lebten sie in einer Beziehung zu Gott, obwohl das nicht der Fall ist. Sie mögen fromme Worte sprechen, sich heiligmäßig verhalten und sogar glauben, sie seien heilig, während sie in Wirklichkeit unseren Herrn überhaupt nicht kennen. Vermessenheit liegt also vor, wenn jemand die Wahrheit verleugnet und entsprechend lebt.

Zweitens ist Vermessenheit gefährlich, weil ein vermessener Mensch seine eigene Sünde nicht bereuen wird. Denn die Verleugnung der Wahrheit macht es ihm unmöglich, seine Sünde einzugestehen. Ohne seine Sünde einzugestehen, kann er in der Folge auch nicht anerkennen, dass er sich ändern muss. Er bleibt in seinem falschen Denken und seiner Sünde verhaftet.

Jesus legt diese Lehre nicht dar, um zu zeigen, dass Er mit denen hart umgeht, die vermessen sind; vielmehr ist sie ein Akt großer Barmherzigkeit gegenüber denen, die in dieser Sünde gefangen sind. Es braucht diese erschütternde Offenbarung, um einen Menschen aus dieser Sünde aufzurütteln und zu befreien. In diesem Fall ist es die Furcht, eines Tages diese Worte von Jesus zu hören, die denen, die in der Vermessenheit gefangen sind, helfen wird, sich daraus zu lösen und sich der Wahrheit zu stellen.

Denke heute darüber nach, in welcher Hinsicht du dir selbst oder anderen gegenüber nicht ehrlich bist. Lass dich von der erschreckenden Erkenntnis, wohin jede Vermessenheit in deinem Leben letztlich führt, aus dieser Sünde aufrütteln und befreien, damit du dich jetzt vor Gott demütigen kannst, bevor es zu spät ist. Denke daran, wie tief unser Herr dich liebt, und lass dir von dieser Liebe helfen, dein Leben ehrlich und aufrichtig in den Blick zu nehmen.

Mein liebender Herr, ich liebe Dich von Herzen und bete darum, dass meine Liebe immer aufrichtig, echt und ganz sein möge. Hilf mir zu erkennen, wo es mir in meinem Leben daran fehlt, Dich mit ganzem Herzen zu lieben. Ich schenke Dir mein Leben, lieber Herr, ohne Vorbehalt. Jesus, ich vertraue auf Dich.


Einschüchterung überwinden

Donnerstag der 30. Woche im Jahreskreis

Einige Pharisäer kamen zu Jesus und sagten: „Geh weg, verlass dieses Gebiet, denn Herodes will dich töten.“ Er antwortete: „Geht und sagt diesem Fuchs: ‚Siehe, ich treibe Dämonen aus und heile heute und morgen, und am dritten Tag vollende ich mein Werk.‘“ Lukasevangelium 13:31-32

Was für ein interessanter Wortwechsel zwischen Jesus und einigen Pharisäern! Es ist aufschlussreich, sowohl das Verhalten der Pharisäer als auch das Verhalten Jesu zu betrachten.

Man könnte sich fragen, warum die Pharisäer so mit Jesus sprachen und Ihn vor der Absicht des Herodes warnten. Machten sie sich Sorgen um Jesus und versuchten deshalb, Ihm zu helfen? Wahrscheinlich nicht. Vielmehr wissen wir, dass die meisten Pharisäer auf Jesus eifersüchtig waren und Ihn beneideten. In diesem Fall scheint es, als hätten sie Jesus vor dem Zorn des Herodes gewarnt, um Ihn einzuschüchtern und dazu zu bringen, ihr Gebiet zu verlassen. Natürlich ließ Jesus sich nicht einschüchtern.

Manchmal erleben wir dasselbe. Es kann vorkommen, dass jemand zu uns kommt und uns Klatsch über uns selbst zuträgt, unter dem Vorwand, uns helfen zu wollen, während es in Wirklichkeit eine subtile Art ist, uns einzuschüchtern und uns so mit Furcht oder Unruhe zu erfüllen.

Entscheidend ist, auf Torheit und Bosheit ausschließlich so zu reagieren, wie Jesus es tat. Jesus gab der Einschüchterung nicht nach. Die Bosheit des Herodes beunruhigte Ihn überhaupt nicht. Vielmehr antwortete Er auf eine Weise, die den Pharisäern sinngemäß sagte: „Verschwendet eure Zeit nicht damit, mich mit Furcht oder Sorge erfüllen zu wollen. Ich vollbringe die Werke meines Vaters, und allein darum soll es mir gehen.“

Was belastet dich in deinem Leben? Wovon lässt du dich einschüchtern? Lässt du zu, dass die Meinungen, die Bosheit oder das Gerede anderer dich niederdrücken? Unser einziges Anliegen sollte sein, den Willen des Vaters im Himmel zu tun. Wenn wir zuversichtlich Seinen Willen tun, werden wir auch die Weisheit und den Mut haben, die wir brauchen, um jede Täuschung und jeden törichten Einschüchterungsversuch in unserem Leben zurückzuweisen.

Denke heute darüber nach, wie entschlossen du bist, in deinem Leben den Willen des Vaters zu tun. Erfüllst du Seinen Willen? Wenn ja, erlebst du dann, dass manche Menschen kommen und versuchen, dich davon abzubringen? Bemühe dich um dieselbe Zuversicht, die Jesus hatte, und behalte den Auftrag im Blick, den Gott dir gegeben hat.

Herr, ich vertraue auf Deinen göttlichen Willen. Ich vertraue auf den Plan, den Du für mich vorgesehen hast, und weigere mich, mich von der Torheit und Bosheit anderer beeinflussen oder einschüchtern zu lassen. Gib mir Mut und Weisheit, damit ich in allem meinen Blick auf Dich gerichtet halte. Jesus, ich vertraue auf Dich.


Jesus einladen

Freitag der 30. Woche im Jahreskreis

An einem Sabbat ging Jesus in das Haus eines führenden Pharisäers zum Essen, und die Menschen dort beobachteten Ihn genau. Lukasevangelium 14:1

Dieser Satz vom Anfang des heutigen Evangeliums offenbart zwei Dinge, über die es sich nachzudenken lohnt.

Erstens ging Jesus in das Haus eines führenden Pharisäers, um dort zu essen. Das war keine Kleinigkeit. Tatsächlich gab es darüber höchstwahrscheinlich viele Gespräche unter den Leuten und den anderen Pharisäern. Es zeigt uns, dass Jesus niemanden bevorzugt. Er kam nicht nur für die Armen und Schwachen. Er kam auch, um die Reichen und Mächtigen zur Umkehr zu rufen. Allzu oft vergessen wir diese einfache Tatsache. Jesus kam für alle Menschen, liebt alle Menschen und nimmt die Einladungen aller an, die Ihn in ihrem Leben haben möchten. Natürlich zeigt dieser Abschnitt auch, dass Jesus sich nicht scheute, in das Haus dieses führenden Pharisäers zu kommen und ihn und seine Gäste herauszufordern, um sie zu einer Umkehr des Herzens zu bewegen.

Zweitens heißt es in diesem Abschnitt, dass die Menschen „Ihn genau beobachteten“. Vielleicht waren einige einfach neugierig und suchten nach etwas, worüber sie später mit ihren Freunden reden konnten. Andere aber beobachteten Ihn höchstwahrscheinlich genau, weil sie Ihn wirklich verstehen wollten. Sie spürten, dass Jesus etwas Einzigartiges an sich hatte, und wollten mehr über Ihn erfahren.

Diese beiden Lehren sollen uns darin bestärken zu erkennen, dass Jesus uns wirklich liebt und darauf antworten wird, wenn wir offen für Seine Gegenwart in unserem Leben sind. Wir brauchen Ihn nur zu bitten und offen dafür zu sein, dass Er kommt, um mit uns „Mahl zu halten“. Wir sollten auch vom Zeugnis derer lernen, die Ihn aufmerksam beobachteten. Sie zeigen uns, wie gut es ist, den Blick fest auf Jesus gerichtet halten zu wollen. Auch wenn sich einige, die Ihn aufmerksam beobachteten, gegen Ihn wandten und Ihn verspotteten, gab es andere, die Ihn aufmerksam beobachteten und Jesus und Seine Botschaft annahmen.

Denke heute darüber nach, wie bereit du bist, Jesus in das Haus deines Herzens und in deine Lebenssituation einzuladen. Sei gewiss, dass Er jede Einladung von dir annehmen wird. Und wenn Jesus zu dir kommt, schenke Ihm deine ganze Aufmerksamkeit. Achte auf alles, was Er sagt und tut, und lass Seine Gegenwart und Seine Botschaft zum Fundament deines Lebens werden.

Du überaus freigebiger Herr, ich lade Dich in mein Herz ein. Ich lade Dich in jede Situation meines Lebens ein. Bitte komm und wohne bei mir in meiner Familie. Komm und wohne bei mir bei der Arbeit, im Kreis meiner Freunde, in meinen Nöten, in meiner Verzweiflung und in allem. Hilf mir, auf Dich und Deinen Willen zu achten, und führe mich zu allem, was Du für mein Leben bereithältst. Jesus, ich vertraue auf Dich.


Die Beschämung des Hochmuts

Samstag der 30. Woche im Jahreskreis

„Wenn du von jemandem zu einem Hochzeitsmahl eingeladen bist, nimm nicht den Ehrenplatz ein. Denn es könnte ein vornehmerer Gast als du eingeladen sein, und der Gastgeber, der euch beide eingeladen hat, könnte zu dir kommen und sagen: ‚Mach diesem Mann Platz!‘ Dann müsstest du beschämt den untersten Platz einnehmen.“ Lukasevangelium 14:8-9

Indem Jesus dieses Gleichnis denen erzählt, die im Haus des Pharisäers mit Ihm zu Tisch sitzen, berührt Er etwas tief in ihren Herzen. Es ist klar, dass unter Seinen Zuhörern viele waren, die nach der Wertschätzung anderer strebten und sehr auf ihr gesellschaftliches Ansehen bedacht waren. Für sie muss es eine erschreckende Vorstellung gewesen sein, bei einem Festmahl den Ehrenplatz einzunehmen, nur um dann vom Gastgeber bloßgestellt zu werden, wenn dieser sie aufforderte, einen niedrigeren Platz einzunehmen. Diese Demütigung war denen nur allzu deutlich, die ganz im Streben nach gesellschaftlichem Ansehen gefangen waren.

Jesus verwendet dieses beschämende Beispiel, um ihnen ihren Hochmut und die Gefahr einer solchen hochmütigen Lebensweise vor Augen zu führen. Er fährt fort: „Denn wer sich selbst erhöht, wird erniedrigt, und wer sich selbst erniedrigt, wird erhöht werden.“

Wir können unser Gewissen im Hinblick auf den Hochmut gar nicht oft genug prüfen. Nicht ohne Grund wird der Hochmut als „Mutter aller Sünden“ bezeichnet. Hochmut führt zu jeder anderen Sünde und ist in vielerlei Hinsicht die Quelle aller Sünde. Wenn wir also in unserem Leben nach Vollkommenheit streben wollen, sollten wir uns täglich um wahre Demut bemühen.

Demut ist nichts anderes, als die Dinge so zu sehen, wie sie sind. Ein demütiger Mensch sieht sich selbst in der Wahrheit Gottes. Das kann schwer sein, denn es verlangt, dass wir uns selbst als schwach und von Gott abhängig erkennen. Vieles in dieser Welt können wir vielleicht aus eigener Kraft und durch harte Arbeit erreichen. Doch wir können weder Glück noch Gutsein erlangen, wenn wir uns nicht der Wahrheit öffnen, dass wir schwach und in allem auf Gott angewiesen sind.

Demut hilft auch, unser Herz von etwas zu reinigen, das wir nur sehr schwer loslassen können. Der Hochmut lässt uns mit großem Verlangen nach der Wertschätzung anderer suchen und unser Glück von dieser Wertschätzung abhängig machen. Das ist ein gefährlicher Weg, denn dadurch bleiben wir ständig von den Meinungen anderer abhängig. Und allzu oft beruhen die Meinungen anderer auf falschen und oberflächlichen Maßstäben.

Denke heute darüber nach, wie frei du von den irreführenden und falschen Meinungen anderer bist. Gewiss solltest du regelmäßig den Rat von Menschen suchen, die du kennst und liebst. Doch du darfst dich nur von Gott und Seiner Wahrheit abhängig machen. Wenn du das tust, bist du auf dem Weg zu wahrer Demut schon ein gutes Stück vorangekommen.

Herr der Wahrheit, bitte mache mich demütig. Nimm allen Hochmut aus meinem Leben, damit ich mich allein Dir und Deinem Willen zuwenden kann. Hilf mir, allein auf die Wahrheit bedacht zu sein, die Du festlegst, und sie zum einzigen Maßstab für meine Seele zu nehmen. Jesus, ich vertraue auf Dich.

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