Die göttliche Anziehungskraft
15. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr A
An jenem Tag verließ Jesus das Haus und setzte sich an den See. Da versammelten sich so viele Menschen um Ihn, dass Er in ein Boot stieg und sich setzte, während die ganze Menge am Ufer stand. Matthäusevangelium 13:1-2
Das ist keine alltägliche Erfahrung. Es ist deutlich, dass die Menschen von so großer Ehrfurcht vor unserem Herrn erfüllt waren, dass sie sich durch eine heilige, göttliche Anziehungskraft zu Ihm hingezogen fühlten. Die Menschen waren von Jesus ganz gebannt und hingen an jedem Seiner Worte. Sie fühlten sich so sehr zu Ihm hingezogen, dass sie sich am Ufer drängten, um zuzuhören, während Jesus vom Boot aus sprach.
Diese Begebenheit aus dem Evangelium sollte dir eine ganz persönliche Frage stellen: Fühlst du dich auf ähnliche Weise zu Jesus hingezogen? Es gibt vieles, wovon wir uns angezogen fühlen. Das kann ein Hobby oder ein persönliches Interesse sein, vielleicht auch deine Arbeit oder ein anderer Bereich deines Lebens. Aber wie steht es mit unserem Herrn und Seinem heiligen Wort? Wie sehr fühlst du dich zu Ihm hingezogen?
Im Idealfall sollten wir in unserem Herzen eine brennende Sehnsucht entdecken, bei Jesus zu sein, Ihn zu kennen, Ihn zu lieben und Seiner Barmherzigkeit in unserem Leben immer tiefer zu begegnen. In unserem Herzen sollte ein Ziehen zu spüren sein, das von Jesus selbst ausgeht. Dieses Ziehen wird zu einer göttlichen Anziehungskraft, die zum zentralen Beweggrund unseres Lebens wird. Von dieser Anziehungskraft bewegt, antworten wir Ihm, hören auf Ihn und schenken Ihm unser Leben immer mehr. Das ist eine Gnade, die denen geschenkt wird, die offen und bereit sind und den Willen haben, zu hören und zu antworten.
Betrachte heute das barmherzige Herz unseres Herrn, das dich ruft, dich Ihm mit allen Kräften deiner Seele zuzuwenden. Lass dich von Ihm anziehen und antworte darauf, indem du Ihm deine Zeit und Aufmerksamkeit schenkst. Von dort aus wird Er dich dahin führen, wohin du nach Seinem Willen gehen sollst.
Mein Herr, der Du mich mit Ehrfurcht erfüllst, mein Leben gehört Dir. Bitte ziehe mich in Dein überaus barmherziges Herz hinein. Hilf mir, mich von Deiner Herrlichkeit und Güte ganz in den Bann ziehen zu lassen. Ich schenke Dir alle Kräfte meiner Seele, lieber Herr. Bitte nimm mich an und führe mich nach Deinem heiligsten Willen. Jesus, ich vertraue auf Dich.
Auf die Vorsehung vertrauen
15. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr B
Er gebot ihnen, außer einem Wanderstab nichts auf den Weg mitzunehmen – kein Brot, keine Vorratstasche, kein Geld im Gürtel. Markusevangelium 6:8
Kümmert sich Gott um die kleinsten Einzelheiten in deinem Leben? Liegt Ihm daran, dass du ausreichend zu essen und eine angemessene Unterkunft hast? Liegt Ihm daran, dass du die seelische, materielle und geistliche Unterstützung erhältst, die du brauchst? Ganz gewiss!
Manchmal kann es geschehen, dass uns nicht bewusst ist, wie umfassend Gott für uns sorgt. Wir können in die Falle geraten, uns von der Angst und Unruhe angesichts der täglichen Sorgen ganz vereinnahmen zu lassen. Wir können uns sorgen, dass wir für morgen oder sogar für heute nicht genug haben werden. Diese Sorge kann alle Bereiche unseres Lebens betreffen – Beziehungen, Gefühle, materielle Bedürfnisse, geistliche Kraft und vieles mehr.
Was wir mit völliger Gewissheit wissen müssen, ist, dass Gott auf jede Einzelheit unseres Lebens achtet. Er weiß alles und liebt uns so vollkommen, dass Er uns niemals verlassen wird. Er wird niemals zulassen, dass uns das fehlt, was wir brauchen, um ein erfülltes und fruchtbares Leben zu führen.
Glaubst du das? Manchmal kann es schwer sein, das zu glauben. Manchmal fühlen wir uns überfordert und meinen, wir müssten uns selbst um alles kümmern. Es stimmt, dass wir dazu berufen sind, Gott all unsere Kraft und Begabung darzubringen, damit Er uns in Seinen Dienst nehmen und durch uns wirken kann. Doch wir sollten nie vergessen, dass letztlich Gott derjenige ist, der für uns sorgt und auf jedes unserer Bedürfnisse am aufmerksamsten achtet.
Denke heute darüber nach, wie sehr du dich der göttlichen Vorsehung anvertraust. Bete das folgende Gebet und überlege, wie vollständig du es dir zu eigen machen kannst. Jesus, ich vertraue auf Dich!
Gebet der Hingabe
Vater,
ich überlasse mich Deinen Händen;
mach mit mir, was Du willst.
Was Du auch tun magst, ich danke Dir:
Ich bin zu allem bereit, ich nehme alles an.
Dein Wille geschehe in mir,
und in all Deinen Geschöpfen –
mehr wünsche ich nicht, o Herr.
In Deine Hände lege ich meine Seele:
Ich schenke sie Dir mit der ganzen Liebe meines Herzens,
denn ich liebe Dich, Herr, und darum muss ich mich Dir schenken,
mich vorbehaltlos in Deine Hände geben,
mit grenzenlosem Vertrauen,
denn Du bist mein Vater.
Gottes- und Nächstenliebe
15. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr C
„Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit deinem ganzen Herzen und deinem ganzen Sein, mit deiner ganzen Kraft und deinem ganzen Denken, und deinen Nächsten wie dich selbst.“ Lukasevangelium 10:27
Diese Worte sprach ein Gesetzeslehrer zu Jesus. Er zitierte das alttestamentliche Gesetz aus den Büchern Levitikus und Deuteronomium (Levitikus 19:18, Deuteronomium 6:5, 10:12). Jesus lobte ihn für diese Worte. Doch dann fragte der Gesetzeslehrer Jesus: „Und wer ist mein Nächster?“ Jesus antwortete ihm mit der bekannten Geschichte vom barmherzigen Samariter.
Die Geschichte vom barmherzigen Samariter sollte uns die Augen für einige nicht gerade angenehme Wahrheiten über die Nächstenliebe – oder deren Fehlen – öffnen. Zuerst kamen ein Priester und ein Levit an dem zusammengeschlagenen und leidenden Mann am Straßenrand vorbei. Sie beachteten ihn nicht und gingen auf der anderen Straßenseite weiter. Dann kam der Samariter vorbei, wurde von Mitleid erfüllt und scheute keine Mühe, dem Mann zu helfen.
Die Schlussfolgerung liegt auf der Hand. Wir sollten wie der barmherzige Samariter sein, der dem Mann in seiner Not Barmherzigkeit erwies. Mit dem Verstand lässt sich diese Schlussfolgerung leicht ziehen. In der Praxis handeln wir jedoch nicht immer danach.
Es ist bemerkenswert, dass Jesus in der Geschichte einen Priester als den Ersten darstellt, der auf der anderen Straßenseite weitergeht. Das zeigt uns unter anderem, dass wir allzu oft nach einer sogenannten „äußeren Heiligkeit“ streben, während uns in Wahrheit echte „innere Heiligkeit“ fehlt. Der Priester kann als Sinnbild für diejenigen verstanden werden, die sich nach außen als Christen ausgeben, ihre Heiligkeit aber nicht in ihrem Handeln leben. Wenn wir keine wahre Nächstenliebe leben, sind wir Heuchler und werden unserer heiligen Berufung nicht gerecht.
Denke heute über den Unterschied zwischen äußerer und innerer Heiligkeit nach. Das Ideal ist, dass dein inneres Leben so ganz von der Liebe zu Gott erfüllt ist, dass diese Liebe in dein äußeres Handeln überströmt. Wenn deine Liebe zu Gott nicht in der Tiefe deines Herzens ganz lebendig ist, kannst du tatsächlich unmöglich wahrhaft heilig sein.
Herr der wahren Heiligkeit, hilf mir, Dich aufrichtig mit ganzem Herzen, ganzem Verstand, ganzer Seele und all meiner Kraft zu lieben. Hilf mir, Dich so ehrlich zu lieben, dass diese Liebe auch in meine Liebe zu den anderen überströmt. Möge Deine kostbare Gabe der Heiligkeit mein Leben durchdringen und mich befähigen, Dich und die anderen mit ganzer Hingabe zu lieben. Jesus, ich vertraue auf Dich.
Frieden oder das Schwert?
Montag der 15. Woche im Jahreskreis
Jesus sagte zu Seinen Aposteln: „Denkt nicht, Ich sei gekommen, um Frieden auf die Erde zu bringen! Ich bin nicht gekommen, um Frieden zu bringen, sondern das Schwert. Denn Ich bin gekommen, um den Sohn mit seinem Vater zu entzweien und die Tochter mit ihrer Mutter und die Schwiegertochter mit ihrer Schwiegermutter; und die Hausgenossen eines Menschen werden seine Feinde sein.“ Matthäusevangelium 10:34-36
War das ein Tippfehler? Hat Jesus das wirklich gesagt? Dies ist eine jener Stellen, die uns etwas ratlos und verwirrt zurücklassen können. Doch Jesus tut das immer wieder, deshalb sollten wir nicht überrascht sein. Was meint Jesus also? Will Er wirklich das „Schwert“ und Spaltung bringen statt Frieden?
Wenn wir diese Stelle lesen, ist es wichtig, sie im Licht all dessen zu lesen, was Jesus sonst gelehrt hat. Wir müssen sie im Licht all Seiner Lehren über Liebe und Barmherzigkeit, Vergebung und Einheit und so weiter lesen. Doch worüber sprach Jesus nun in dieser Stelle?
Er sprach hier vor allem über eine der Wirkungen der Wahrheit. Die Wahrheit des Evangeliums hat die Kraft, uns zutiefst mit Gott zu vereinen, wenn wir sie ganz als das Wort der Wahrheit annehmen. Eine weitere Wirkung ist jedoch, dass sie uns von denen trennt, die sich weigern, in der Wahrheit mit Gott vereint zu sein. Das ist nicht unsere Absicht, und wir sollten eine solche Trennung auch nicht aus eigenem Willen oder mit Absicht herbeiführen. Doch wir müssen verstehen: Indem wir uns ganz in die Wahrheit vertiefen, geraten wir auch in Gegensatz zu allen, die womöglich im Gegensatz zu Gott und Seiner Wahrheit stehen.
Unsere heutige Kultur will das verkünden, was wir „Relativismus“ nennen. Dahinter steht die Vorstellung, dass das, was für mich gut und wahr ist, für dich vielleicht nicht gut und wahr ist, dass wir aber trotz unserer unterschiedlichen „Wahrheiten“ dennoch alle eine glückliche Familie sein können. Doch das ist nicht die Wahrheit!
Die Wahrheit (mit großem „W“) ist, dass Gott festgelegt hat, was richtig und was falsch ist. Er hat Sein Sittengesetz für die gesamte Menschheit aufgestellt, und das lässt sich nicht rückgängig machen. Er hat auch die Wahrheiten unseres Glaubens dargelegt, und auch diese lassen sich nicht rückgängig machen. Und dieses Gesetz gilt für mich ebenso wie für dich oder jeden anderen.
Der obige Abschnitt führt uns die ernüchternde Wirklichkeit vor Augen, dass wir, wenn wir jede Form des Relativismus ablehnen und an der Wahrheit festhalten, auch Gefahr laufen, Spaltung zu erleben – selbst innerhalb unserer Familien. Das ist traurig und tut weh. Jesus richtet diese Worte besonders deshalb an uns, um uns zu stärken, wenn das geschieht. Wenn die Spaltung durch unsere Sünde entsteht, sollten wir uns schämen. Wenn sie durch die Wahrheit entsteht, die in Barmherzigkeit verkündet wird, dann sollten wir sie als Folge des Evangeliums annehmen. Jesus wurde abgelehnt, und wir sollten uns nicht wundern, wenn uns dasselbe widerfährt.
Denke heute darüber nach, wie sehr du bereit und willens bist, die ganze Wahrheit des Evangeliums anzunehmen, ungeachtet der Folgen. Die ganze Wahrheit wird dich frei machen und bisweilen auch die Trennung sichtbar machen, die zwischen dir und denen besteht, die Gott abgelehnt haben. Du musst um Einheit in Christus beten, darfst aber nicht bereit sein, Kompromisse einzugehen, um eine falsche Einheit herbeizuführen.
Herr der Wahrheit, gib mir die Weisheit und den Mut, die ich brauche, um alles anzunehmen, was Du offenbart hast. Hilf mir, Dich über alles zu lieben und alle Folgen anzunehmen, die sich daraus ergeben, dass ich Dir nachfolge. Jesus, ich vertraue auf Dich.
Es ist Zeit umzukehren!
Dienstag der 15. Woche im Jahreskreis
Jesus begann, den Städten, in denen Er die meisten Seiner Machttaten getan hatte, Vorwürfe zu machen, weil sie nicht umgekehrt waren. „Weh dir, Chorazin! Weh dir, Betsaida!“ Matthäusevangelium 11:20-21a
Was für ein Akt der Barmherzigkeit und Liebe von Jesus! Er weist die Menschen in den Städten Chorazin und Betsaida zurecht, weil Er sie liebt und sieht, dass sie weiterhin an ihrem sündigen Leben festhalten, obwohl Er ihnen das Evangelium gebracht und viele Machttaten vollbracht hat. Sie bleiben uneinsichtig, gefangen und verwirrt, ohne Bereitschaft zur Umkehr oder dazu, ihre Lebensweise zu ändern. In dieser Situation erweist Jesus ihnen eine wunderbare Form der Barmherzigkeit: Er tadelt sie! Nach dem obigen Abschnitt sagt Er weiter: „Ich sage euch: Tyrus und Sidon wird es am Tag des Gerichts erträglicher ergehen als euch.“
Hier gibt es eine wunderbare Unterscheidung, die uns helfen sollte, zu hören, was Gott uns zuweilen sagen möchte. Sie sollte uns auch helfen zu erkennen, wie wir mit den Menschen in unserem Umfeld umgehen sollen, die gewohnheitsmäßig sündigen und dadurch uns oder anderen Leid zufügen. Die Unterscheidung betrifft den Beweggrund Jesu, die Menschen von Chorazin und Betsaida zu tadeln. Warum tat Er das? Und was war der Beweggrund für Sein Handeln?
Jesus tadelt sie aus Liebe und aus dem Wunsch heraus, dass sie sich ändern. Als Er sie einlud und durch Seine Wunder ein machtvolles Zeugnis gab, kehrten sie nicht sogleich von ihrer Sünde um. Deshalb musste Er einen Schritt weitergehen. Dieser nächste Schritt war eine eindringliche und klare Zurechtweisung aus Liebe.
Dieses Handeln Jesu könnte zunächst als ein emotionaler Zornausbruch wahrgenommen werden. Doch genau darin liegt der entscheidende Unterschied. Jesus wies sie nicht deshalb so streng zurecht, weil Er wütend war und die Beherrschung verlor. Vielmehr wies Er sie zurecht, weil sie diese Zurechtweisung brauchten, um sich zu ändern.
Dieselbe Wahrheit lässt sich auf unser Leben anwenden. Manchmal ändern wir unser Leben und überwinden die Sünde, weil Jesus uns sanft einlädt, Seine Gnade anzunehmen. Doch zu anderen Zeiten, wenn die Sünde tief verwurzelt ist, brauchen wir eine heilige Zurechtweisung. In diesem Fall sollten wir diese Worte Jesu so hören, als seien sie an uns gerichtet. Vielleicht ist dies genau der Akt der Barmherzigkeit, den wir in unserem Leben brauchen.
Das lässt uns auch besser erkennen, wie wir mit anderen umgehen sollen. Eltern zum Beispiel können daraus viel lernen. Kinder werden immer wieder auf unterschiedliche Weise vom rechten Weg abkommen und Zurechtweisung brauchen. Es ist gewiss richtig, mit behutsamen Einladungen und Gesprächen zu beginnen, die ihnen helfen sollen, die richtigen Entscheidungen zu treffen. Doch manchmal wird das nicht wirken, und einschneidendere Maßnahmen werden nötig sein. Was sind diese „einschneidenderen Maßnahmen“? Unbeherrschte Wut und rachsüchtiges Anschreien sind nicht die Antwort. Vielmehr kann ein heiliger Zorn, der aus Barmherzigkeit und Liebe erwächst, der Schlüssel sein. Er kann sich in einer strengen Zurechtweisung oder Strafe äußern. Oder er kann darin zum Ausdruck kommen, dass man die Wahrheit unmissverständlich ausspricht und die Folgen bestimmter Handlungen klar darlegt. Denk nur daran, dass auch dies Liebe ist und das Handeln Jesu nachahmt. Das ist es, was wir gemeinhin als „Liebe, die auch streng sein kann“ bezeichnen.
Denke heute darüber nach, ob du eine Zurechtweisung von Jesus brauchst oder nicht. Wenn ja, dann lass dieses Evangelium der Liebe tief in dich eindringen. Denke auch über deine Verantwortung nach, andere auf ihre Fehler hinzuweisen. Hab keine Angst, einen Akt göttlicher Liebe zu vollbringen, der die Gestalt einer deutlichen Zurechtweisung annimmt. Vielleicht ist gerade dies der Schlüssel dazu, den Menschen, die du liebst, zu helfen, Gott noch mehr zu lieben.
Mein leidenschaftlich liebender Herr, hilf mir, jeden Tag meine Sünde zu bereuen und umzukehren. Hilf mir, ein Werkzeug für die Umkehr anderer zu sein. Möge ich Deine Worte stets in Liebe aufnehmen und sie in jener Form der Liebe weitergeben, die am wirksamsten ist. Jesus, ich vertraue auf Dich.
Kindlich sein
Mittwoch der fünfzehnten Woche im Jahreskreis
„Ich preise Dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde, weil Du dies vor den Weisen und Klugen verborgen und es denen offenbart hast, die wie Kinder sind.“ Matthäusevangelium 11:25
Das Leben ist kompliziert. Oder doch nicht? Das ist eine gute Frage. Manchmal kann alles sehr kompliziert erscheinen. Situationen, in denen wir uns befinden, Beziehungen zu Familie und Freunden, unsere Zukunft, unsere Vergangenheit und vieles mehr können uns bisweilen belastend und kompliziert erscheinen. Doch in Wahrheit muss das nicht so sein. Tatsächlich sind Gottes Antworten auf die „komplexesten“ Fragen des Lebens oft so einfach, dass ein Kind sie verstehen kann.
In der obigen Schriftstelle bekräftigt Jesus, dass der Vater Seine Antworten und Seine Weisheit denen offenbart, die kindlich sind. Interessanterweise sagt Er auch, dass der Vater „all das den Weisen und Klugen verborgen“ hat. Das wirft die Frage auf: Ist es besser, „weise und klug“ oder „kindlich“ zu sein? Die Antwort lautet offensichtlich: Es ist besser, kindlich zu sein.
Das mag zunächst verwirrend erscheinen. Es mag seltsam klingen, zu sagen, dass es nicht gut ist, „weise und klug“ zu sein. Gemeint ist aber, dass es nicht gut ist, zu meinen, man habe schon alles durchschaut. Es ist nicht gut, überheblich und besserwisserisch zu sein. Es ist nicht gut, so voller Stolz zu sein, dass wir glauben, auf alles eine Antwort zu haben.
Ideal ist es, bestimmte Eigenschaften eines Kindes zu haben. Vor allem ist es gut, offen, neugierig und lernbereit zu sein. Es ist gut, das Leben mit einem möglichst einfachen Blick zu betrachten und beim Wesentlichen zu bleiben. Natürlich ist es gut, an Weisheit und Erkenntnis in den Dingen Gottes zu wachsen. Doch wahre Weisheit und Erkenntnis bewahren stets eine gewisse Unschuld und Einfachheit. Sie bewahren eine grundlegende Güte und die Anerkennung dessen, was richtig und was falsch ist. Das Leben muss nicht kompliziert sein; es soll vielmehr ganz einfach werden.
Denke heute darüber nach, wie bereit und willens du bist, dich an Gott zu wenden, um einfache und klare Antworten auf die schwierigsten Fragen des Lebens zu finden. Denke darüber nach, wie bereit du bist, dich voller Vertrauen und Hoffnung an Gott zu wenden, im Wissen darum, dass Gott alle Antworten für dein Leben hat.
Herr aller Weisheit, wieder wende ich mich vertrauensvoll an Dich. Hilf mir zu erkennen, dass alle Weisheit von Dir kommt und nicht aus mir selbst. Hilf mir, mich immer wie ein Kind an Dich zu wenden, und hilf mir, mein Leben so einfach zu halten, wie Du es wünschst. Jesus, ich vertraue auf Dich.
Deine Lasten ablegen
Donnerstag der 15. Woche im Jahreskreis
Jesus sagte: „Kommt alle zu mir, die ihr mühselig und beladen seid, und ich will euch erquicken.“ Matthäusevangelium 11:28
Diese Einladung Jesu müssen wir vielleicht viel öfter hören, als uns bewusst ist. Sie ist eine sanfte Einladung, unseren Herrn unsere tägliche Last erleichtern und unsere Sorgen, unseren Stress, unsere Ängste und alles, was uns niederdrückt, lindern zu lassen. Es ist eine Einladung voller Liebe und Barmherzigkeit, die wir immer annehmen sollten.
Was belastet dich? Was drückt dich nieder und droht, dich in Depression, Traurigkeit oder sogar Verzweiflung zu stürzen? Gibt es etwas, um das deine Gedanken immer wieder zwanghaft kreisen? Gibt es eine Sorge, die du einfach nicht abschütteln kannst? Was auch immer dein Herz bedrückt: Jesus möchte es dir abnehmen.
Manchmal gehen wir mit schweren Lasten durchs Leben, die loszulassen uns Angst macht. Wir können Angst davor haben, zu Jesus zu kommen und Ihn in unser Leben einzulassen. Zu Jesus zu kommen bedeutet, dass wir uns allem, was uns belastet, ehrlich und offen stellen müssen – und zwar in der Gegenwart Jesu.
Doch das Entscheidende, das wir wissen müssen, ist dies: Jesus ist sanftmütig, barmherzig und freigebig mit Vergebung und Gnade. Er sehnt sich noch viel mehr danach, uns unsere Lasten abzunehmen, als wir uns danach sehnen, davon befreit zu werden. Er sieht die Bedrängnis, unter der viele leiden, und wünscht sich von Herzen, dass diese Bedrängnis ein Ende hat.
Denke heute über diese sanfte Einladung Jesu nach: „Komm zu mir.“ Komm ohne Angst und ohne Zögern zu Ihm. Übergib Ihm alles und lass Ihn die Dinge ordnen. Er liebt dich mehr, als du ahnst, und wird deine Schritte auf den rechten Weg lenken.
Mein Herr, der Du mich zu Dir einlädst, ich komme wirklich zu Dir und lege mein Leben und jede Last vor Dir nieder. Ich gebe Dir mein Leben, meine Hoffnungen, meine Ängste, meine Vergangenheit, meine Zukunft und alles, was mir Sorgen macht. Jesus, ich gebe Dir alles. Jesus, ich vertraue auf Dich.
Barmherzigkeit will ich
Freitag der fünfzehnten Woche im Jahreskreis
„Wenn ihr begriffen hättet, was das heißt: Barmherzigkeit will ich, nicht Opfer, dann hättet ihr diese unschuldigen Männer nicht verurteilt.“ Matthäusevangelium 12:7
Die Apostel Jesu hatten Hunger und pflückten unterwegs Ähren, um ihren Hunger zu stillen. Deshalb verurteilten die Pharisäer die Apostel, weil sie etwas taten, was ihrer Behauptung nach am Sabbat „verboten“ war. Sie behaupteten, das Ährenpflücken unterwegs gelte als „Arbeit“, und somit verstießen die Apostel gegen das Gesetz, das die Sabbatruhe vorschrieb.
Wirklich? Glaubten die Pharisäer ernsthaft, dass die Apostel sündigten, weil sie unterwegs Ähren pflückten, um ihren Hunger zu stillen? Hoffentlich fällt es uns nicht schwer zu erkennen, wie absurd und unvernünftig diese Verurteilung war. Die Apostel taten nichts Falsches und wurden dennoch verurteilt. Sie waren „Unschuldige“, wie Jesus betont.
Jesus antwortet auf die Unvernunft der Pharisäer, indem Er sie an das Schriftwort erinnert: „Barmherzigkeit will ich, nicht Opfer.“ Und Er weist darauf hin, dass die Apostel zu Unrecht verurteilt wurden, weil die Pharisäer diese Schriftstelle und dieses Gebot Gottes zur Barmherzigkeit nicht verstehen.
Das Gebot, am Sabbat zu ruhen, stammte von Gott. Doch dieses Gebot war kein Selbstzweck. Es war keine bloße Gesetzesvorschrift, deren strenge Einhaltung allein schon Gott irgendwie geehrt hätte. Die Sabbatruhe war vor allem ein Geschenk Gottes an die Menschheit, denn Gott wusste, dass wir Ruhe und Erholung brauchten. Er wusste, dass wir jede Woche Zeit brauchten, um zur Ruhe zu kommen, Ihn in besonderer Weise anzubeten und die Gemeinschaft mit anderen zu genießen. Doch die Pharisäer machten die Sabbatruhe zu einer Last. Sie machten daraus eine streng gesetzliche Pflichterfüllung, die weder Gott verherrlichte noch den menschlichen Geist erquickte.
Eine zentrale Wahrheit, die wir aus diesem Abschnitt lernen können, ist, dass Gott uns dazu aufruft, Sein Gesetz mit den Augen der Barmherzigkeit auszulegen. Barmherzigkeit erquickt uns immer, richtet uns auf und erfüllt uns mit neuer Kraft. Sie bewegt uns zur Anbetung und erfüllt uns mit Hoffnung. Barmherzigkeit legt uns keine schwere Last bloßer Gesetzeserfüllung auf; vielmehr schenken uns Gottes Barmherzigkeit und Sein Gesetz gemeinsam neue Kraft und Erquickung.
Denke heute darüber nach, wie du Gottes Gebote und Sein Gesetz betrachtest. Siehst du darin eine gesetzliche und belastende Forderung? Oder siehst du darin einen Segen der Barmherzigkeit Gottes, der deine Last erleichtern soll?
Mein barmherziger Herr, hilf mir, Dein Gesetz zu lieben. Hilf mir, es wirklich im Licht Deiner Barmherzigkeit und Gnade zu sehen. Möge alles, was Du gebietest, mich erquicken und Dein Wille mich aufrichten. Jesus, ich vertraue auf Dich.
Mit der Bosheit anderer umgehen
Samstag der 15. Woche im Jahreskreis
Die Pharisäer gingen hinaus und fassten den Beschluss, Jesus umzubringen. Matthäusevangelium 12:14
Wenn du dir wirklich Zeit nimmst und darüber nachdenkst, ist das erschütternd, traurig und sogar empörend. Hier schmiedeten die religiösen Führer jener Zeit aktiv, absichtlich und berechnend Pläne, den Erlöser der Welt zu töten. Ausgerechnet Derjenige, auf den sie sich vorbereiten und auf den sie hoffen sollten, wurde zum Ziel ihrer Bosheit, ihres Hasses und schließlich ihrer Verfolgung.
Es ist erschütternd, und deshalb sollten uns ihre Taten mit tiefer Trauer erfüllen. Doch über ihre Taten zu trauern bedeutet nicht, dass wir in unvernünftigen Zorn, Verzweiflung oder Rachegedanken verfallen müssen. Die Trauer über die böswilligen Taten der Pharisäer ist tatsächlich eine Form der Liebe zu ihnen, denn tiefe Trauer über ihre Taten ist eine Weise, sie zur Umkehr zu rufen.
Gewiss, das geschah vor vielen Jahren, und die damaligen Pharisäer, die so berechnend und böswillig handelten, leben nicht mehr unter uns. Dennoch wird Jesus weiterhin auf vielfältige Weise verfolgt, und manchmal findet sich diese Verfolgung sogar unter denen, die sich Christen nennen, und selbst unter denen, die in unserer Kirche und unserer Welt Führungsaufgaben wahrnehmen.
Ganz konkret können wir wohl alle in irgendeiner Weise aus eigener Erfahrung nachvollziehen, wie es ist, wenn wie bei der Verfolgung Jesu Intrigen gesponnen und Pläne geschmiedet werden. Es wäre höchst unwahrscheinlich, dass wir diese Bosheit in demselben Ausmaß erleben wie Jesus, doch höchstwahrscheinlich haben wir alle sie schon in mehr oder weniger großem Maß erfahren.
Leider werden wir oft zur Zielscheibe des Bösen, wenn wir uns ganz und gar Christus und Seiner Sendung verschreiben. Und sehr oft treffen uns die Pfeile des Bösen durch jene, die uns am meisten unterstützen sollten. Wenn du also auf irgendeine Weise diese Erfahrung machst, nimm daran keinen Anstoß und lass dich nicht übermäßig erschüttern. Es ist angemessen, darüber traurig zu sein, aber lass dich dadurch nicht zu unvernünftigen Reaktionen hinreißen. Verfolgung gehört zur Nachfolge Christi. Jesus hat sie erfahren, und deshalb sollten wir damit rechnen, dass auch wir sie erfahren.
Denke heute darüber nach, wie du mit den Verletzungen und der Bosheit anderer umgehst. Dir steht es nicht zu, über sie zu richten oder sie zu verurteilen. Doch du bist dazu berufen, dieselbe Trauer zu empfinden wie Jesus. Diese Trauer ist eine heilige Trauer, von der in den Seligpreisungen die Rede ist. Sie wird dich befähigen, die Irrtümer zurückzuweisen, denen du begegnest, und in Geduld und Standhaftigkeit zu wachsen.
Mein trauernder Herr, wenn ich mich von anderen verspottet oder verfolgt fühle, hilf mir, in meinem Glauben und besonders in meiner Nächstenliebe standhaft zu bleiben. Hilf mir, zuzulassen, dass eine heilige Trauer mich darin bestärkt, Hoffnung zu haben und in der Sendung voranzugehen, die Du mir anvertraut hast. Jesus, ich vertraue auf Dich.
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